Verlernen wir das eigenständige Denken?

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Wie KI das Lernen verändert

Ich bin Emma, 14 Jahre alt und Teil der Jugendredaktion. In diesem Artikel geht es darum, wie Künstliche Intelligenz, wie zum Beispiel ChatGPT, unseren Schulalltag verändert. Dabei frage ich mich, ob sie unser Lernen wirklich verbessert oder uns eher daran hindert, selbstständig zu denken.

In meiner Klasse spricht kaum jemand offen darüber, doch tatsächlich nutzen fast alle ChatGPT, wenn Hausaufgaben anstehen, ein Referat vorbereitet werden muss oder die Einleitung einfach nicht gelingen will. Statt im Schulbuch nachzuschlagen, wird die Künstliche Intelligenz (KI) befragt.

Ich selbst merke das auch: Manchmal tippe ich eine Aufgabe nur schnell ein, um sie besser zu verstehen. Manchmal lasse ich mir eine Gliederung erstellen. Und manchmal denke ich: Warum sollte ich mir eine halbe Stunde den Kopf zerbrechen, wenn ich in wenigen Sekunden einen brauchbaren Ansatz bekomme? Ich gebe zu, auch ich habe schon Hausaufgaben mithilfe von ChatGPT erledigt. Auch Lehrkräfte nutzen KI. Das ist in Ordnung, wenn man weiß, wie man damit umgeht. Sich einfach nur Lösungen geben zu lassen, hilft allerdings nicht weiter.

Wie viel Eigenleistung steckt im Ergebnis?

In Gesprächen höre ich oft Sätze wie: „Ich habe mir das nur erklären lassen“ oder „Ich habe es ja noch umgeschrieben“. Das klingt harmlos. Doch ehrlich gesagt verschwimmt die Grenze schnell: Wie viel Eigenleistung steckt im Ergebnis? Ich frage mich: Wenn so viele von uns KI für Hausaufgaben nutzen, verändert das nicht massiv unsere Art zu lernen? Ich denke: ja.

Wir verlernen das Nachdenken

Früher hatte man zumindest noch dieses Gefühl, wenn man etwas endlich selbst verstanden hat – dieses „Ah, jetzt verstehe ich es!“. Heute bleibt dieses Gefühl manchmal aus, weil die Antwort schon da ist, bevor man richtig nachgedacht hat. Natürlich ist das praktisch. Niemand möchte eine halbe Stunde auf eine Einleitung starren, ohne vorwärts zu kommen. Doch vielleicht gehört genau dieses Nachdenken zum Lernprozess dazu. Ich frage mich, ob wir dadurch ungeduldiger werden. Sobald etwas schwierig wird, holen wir uns sofort Hilfe – nicht erst nach langem Überlegen. Und irgendwann gewöhnt man sich daran. Man denkt nicht mehr: „Ich probiere es selbst“, sondern eher: „Ich frage schnell ChatGPT.“

Wie sieht ein kluger Umgang mit KI aus?

Natürlich ist KI nicht nur negativ. Man kann sich Dinge erklären lassen, die man im Unterricht nicht verstanden hat, Beispiele geben lassen oder Ideen sammeln. Das kann sogar helfen, besser zu werden – aber nur, wenn man danach wirklich selbst weiterarbeitet. Meiner Meinung nach ist das Problem nicht die KI, sondern wie schnell aus Hilfe eine Abkürzung wird. Abkürzungen fühlen sich im Moment gut an, doch vielleicht fehlen uns am Ende genau die Umwege, durch die man eigentlich Wissen aneignet.

Aber wie gelingt ein kluger Umgang mit Künstlicher Intelligenz? Ich möchte die Vorteile der KI nicht missen, doch gleichzeitig möchte ich meine Fähigkeit zum eigenständigen Denken bewahren. Ich habe mir inzwischen die Lern-KI „Astra AI“ heruntergeladen. Sie lässt sich auf persönliche Stärken und Schwächen einstellen und gibt keine fertigen Lösungen, sondern unterstützt gezielt. 

Lernen verändert sich gerade: Es wird schneller, einfacher und digitaler.

Doch die Frage bleibt: Wird es dadurch auch besser?

Oder verlernen wir langsam, selbst zu denken?

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    Emma

    Jugendredakteur:in

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