Jugendoper „Die Welle“

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Rezension zu "Die Welle: Jugendoper im Kolosseum"

Am 16.09. hat Jannika die Jugendoper „Die Welle“ nach dem Roman von Morton Rhue besucht. In diesem Artikel berichtet sie über ihre Erfahrungen.

Ich möchte in einigen Sätzen über ein ganz besonderes Bühnenstück reden. Das neu komponierte Stück verbindet Tanz und Orchester zu einem Musiktheater über Gemeinschaft und Ausgrenzung und sollte meiner Meinung nach nicht unterschätzt werden. Mich hat es sehr überrascht.

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Aus der Geschichte gelernt?

Aber bevor ich darauf eingehe, frage ich euch: Habt ihr euch auch gefragt, warum so viele Menschen im Nationalsozialismus beeinflussbar waren? Wieso so viele Menschen auf einmal alle an einen Strang zogen? Warum die allerwenigsten frühzeitig reagierten, bevor es zu ernsten Konsequenzen kam? Das Erschreckende ist: Die meisten waren normale Menschen, so wie du und ich. Würden wir es heutzutage ebenfalls so weit kommen lassen? 

Die meisten hätten die letzte Frage vermutlich zunächst verneint. Haben wir nicht aus der Geschichte gelernt? Das „The-Third-Wave-Experiment“ aus dem Jahr 1967 zum Thema Faschismus zeigt jedoch das Gegenteil: Wir sind weiterhin anfällig für faschistische Tendenzen. Menschen neigen häufig dazu, Vorurteile gegenüber bestimmten Menschen zu entwickeln und sich zugleich über die Zugehörigkeit zu einer eigenen Gruppe zu definieren. Dieses Bedürfnis nach dem Dazugehören kann die Bereitschaft fördern, populistischen Vorstellungen zu folgen. Dabei darf nicht unterschätzt werden, dass sich populistische Bewegungen, insbesondere am rechten Rand, oft radikalisieren.

Backsteinwand mit blauem Wellen-Graffiti
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The-Third-Wave-Experiment

Der Lehrer Ron Jones, der 1967 in Kalifornien das „The-Third-Wave-Experiment“ durchführte, wurde damals im Unterricht unter anderem gefragt: „Wie konnten die Deutschen behaupten, nichts von der Judenermordung gewusst zu haben?“ Er konnte diese Frage nicht beantworten. Daher wagte er ein Experiment an seiner Schule. Zunächst führte er unter den Teilnehmenden Disziplin und bestimmte Rituale ein, verteilte Rollen und Aufgaben, gab ihnen Symbole, einen eigenen Gruß und Mitgliederausweise, woraufhin sich die Schülerinnen und Schüler zunehmend als Gemeinschaft verstanden. Sie rekrutierten Anhänger und kontrollierten Mitschülerinnen und Mitschüler und grenzten andere aus. Was anfangs wie ein Spiel wirkte, eskalierte in wenigen Tagen. Als Jones die Schülerinnen und Schüler zu einer Versammlung einlud, konfrontierte er sie dort mit der Ähnlichkeit ihres Verhaltens zum Aufstieg des Nationalsozialismus und löste „The Third Wave“ anschließend auf. Es herrschte Entsetzen unter den Schülerinnen und Schülern und später hieß es, dass es allen sehr peinlich gewesen war, was aus ihnen während des Experiments geworden war.

Wikipedia-Artikel zum Experiment

Nun aber zum Musical

Ich fuhr mit meiner Familie zum Musical nach Lübeck. Ich hatte davor keine Ahnung, um was es genau ging. Alles, was ich wusste, war, dass das Musiktheater hauptsächlich von Kindern und Jugendlichen aufgeführt wurde. Einzig die drei Solisten wurden von erfahreneren Opernsängern gespielt. 

Schon nach den ersten Akten des Stückes war ich von dem Gesang und der Darstellung der Jugendlichen sehr beeindruckt. Wenn man bedenkt, dass die meisten Jugendlichen nicht mal 18 Jahre alt sind, war die Leistung, die sie vollbrachten, nahezu perfekt. Auch wenn es einen nicht wundern mag, dass die Solisten eine gute Performance ablieferten, war vor allem das Schauspiel und der Gesang sehr eindrucksvoll. Als jemand, der ebenfalls ein wenig Bühnenerfahrung gesammelt hatte, weiß ich, dass es trotz jahrelangen Trainings alles andere als einfach ist, einen perfekten Auftritt hinzulegen. Es erfordert unter anderem viel Mut und Selbstvertrauen. 

Die Musik war sehr gut ausgewählt worden, sie passte sich der Gesamtatmosphäre an, und fast jedes Lied hinterließ, bei mir zumindest, einen Ohrwurm, der auch Tage nach dem Musical nicht mehr verfliegen wollte. 

Film und Buch

Zu dem Film und dem Buch kann ich leider nichts beitragen, weswegen ich erst mal keine Vergleiche und Referenzen heranziehen kann. Allerdings soll der Film laut einigen Quellen eine weitaus düstere Atmosphäre haben mit einem traurigen Ende. Dies ist beim Musical jedoch nicht der Fall. Am Ende, als die Atmosphäre sich wieder aufgelockert hatte, tanzen und singen alle Darstellerinnen und Darsteller miteinander. Hin und wieder ploppt der Satz „Sei mit dem Kopf stets frei“ auf, mit dem man das Fazit aus dem gesamten Experiment nicht besser hätte beschreiben können. 

Hat sich der sehr spontane Ausflug gelohnt? Das auf jeden Fall!

Nun, ich komme hiermit zum Ende meiner ersten (!) Musical-Rezension. Ich fand es sehr spannend, über dieses Musical zu schreiben, weil unter anderem das Thema immer noch aktuell ist und wahrscheinlich auch für immer bleiben wird. Es ist inzwischen fast ein Monat vergangen, und trotzdem sind mir einige Lieder und Szenen gar nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Und man darf nicht vergessen, dass das Musical zu einem Großteil aus sehr jungen Leuten bestand, was das Ergebnis umso beeindruckender machte. Zwar habe ich bisher wenige Musicals besucht, doch das hier wird auf jeden Fall ganz oben auf der Liste stehen bleiben. 

Quellen:

https://www.kino.de/artikel/die-welle--j2x9g5jq5c#:~:text=Grundlage%20des%20Films

https://www.spiegel.de/geschichte/schul-experiment-die-welle-a-946745.html

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