Das Leben spielt nicht immer fair: Äußere Umstände wie Herkunft und soziales Umfeld können sich zu entscheidenden Faktoren entwickeln. Der Verfasser dieser Ausgabe sitzt seit zwei Jahren in der JVA und schildert sehr ehrlich und offen von seiner Kindheit und Jugend, die von Armut, Flucht und Vernachlässigung, von Drogenkonsum und Diebstahl geprägt waren. Bereits in jungen Jahren hat Congo mehr erlebt als viele andere in ihrem ganzen Leben. Und dennoch: Trotz aller Rückschläge und Herausforderungen hält er an seinen Träumen und Wünschen fest und sucht unbeirrt nach seinem Stück Normalität – allen Widrigkeiten zum Trotz.
Hinweis: Der Klarname des Verfassers ist durch ein Pseudonym ersetzt.
Meinungsfreiheit
Wie immer ist uns Meinungsfreiheit sehr wichtig – deshalb äußert der jeweilige Verfasser seine ganz persönliche Meinung, die nicht unbedingt vom gesamten Team der Haftnotizen geteilt werden muss.
Schreibtrainerin: Tania Kibermanis
Guter Junge
Text von Congo (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)
An meinem Entlassungstag werde ich zu meiner Familie fahren und einen angenehmen Tag verbringen. Ich würde auch so schnell wie möglich in mein Heimatland Burkina Faso reisen, um meine Familie dort zu besuchen – vor allem meine Oma, die gerade 101 Jahre alt geworden ist. Dort möchte ich zwei Monate bleiben, dann kurz nach Deutschland zurück und weiter nach Spanien, um meine Mutter und meinen Bruder zu besuchen. Nach dem Aufenthalt in Spanien kehre ich nach Deutschland zurück, um mich um eine eigene Wohnung zu kümmern und zu versuchen, einen Ausbildungsplatz als Elektriker zu bekommen. Um meine Drogensucht zu überwinden, möchte ich gerne neue Hobbys finden und mich noch mehr auf den Sport konzentrieren. Neue Freundeskreise, eine neue Umgebung – das ist es, was ich brauche, um mein Leben in den Griff zu kriegen und nie wieder in den Knast zu kommen. Und wenn ich ein Bike sehe, gehe ich daran vorbei.
Ich bin Ougadougou geboren. Dort haben wir gelebt, bis ich fünf Jahre alt war. Dort waren wir nicht arm, aber auch nicht reich. Das Leben war schwierig, und deshalb haben meine Eltern 2011 entschieden, unser Heimatland zu verlassen. Zuerst reisten mein Vater und ich nach Marokko – über Nigeria, dann zwei Wochen in Togo, von dort aus nach Tanger. Dort sind wir dreieinhalb Wochen geblieben bis wir zwei Plätze auf dem Boot hatten. Dafür haben wir 2000 Dirham (umgerechnet ca. 460,- Euro) bezahlt. Auf dem Boot, das eigentlich nur Platz für zehn Menschen hatte, waren über 30 Männer: Leute aus Südafrika, Mali, Kongo, Marokko – die meisten von ihnen hatten keine Papiere. Wir sind losgefahren bis Gibraltar, und von dort aus hat sich jeder allein auf seinen Weg gemacht. Mein Vater und ich hatten nur eine kleine Tasche dabei, da hatten wir unsere Pässe, etwas Kleidung, Wasser, ein bisschen Geld und etwas zu essen drin.
Die erste Nacht haben wir auf der Straße verbracht. Zum Glück war es Sommer und überhaupt nicht kalt. Aber angenehm war es trotzdem nicht. Am nächsten Tag sind wir zu einem Flüchtlingscamp gefahren, dort haben wir ein Zimmer mit zwei Betten bekommen. Die ersten Tage blieb ich im Zimmer, während mein Vater draußen den ganzen Tag auf der Suche nach Arbeit und Lebensmitteln war. Nach einer Woche kam die erste gute Nachricht: Mein Vater hatte Arbeit auf dem Bau gefunden. Zwar ohne Vertrag, aber dafür hatten wir ein erstes Einkommen. Er hat bis zu 15 Stunden am Tag gearbeitet, sechs Tage die Woche. Dafür hat er jeden Monat unterschiedlich viel Geld bekommen – mal waren es 450,- Euro, mal 350,- oder 550,-. Er wusste nie, wieviel er diesen Monat verdiente.
Meine Mutter kam nach einem Jahr nach Spanien, kurz darauf haben sich meine Eltern getrennt, und mein Vater ist nach Frankreich gezogen. Meine Mutter und ich lebten zu dieser Zeit in Cadiz und waren auf uns alleine gestellt. Meine Mutter war zu diesem Zeitpunkt ca. 23 Jahre alt, und obwohl mein Vater Unterhalt für mich geschickt hat, hat es nicht gereicht. In der Provinz Andalusien, wo wir gelebt haben, war die Arbeitslosenquote sehr hoch. Für Leute, die aus Spanien kamen, war es schon schwer, einen Job zu finden. Für Menschen, die nicht aus Spanien kamen und auch noch eine andere Hautfarbe hatten, war es noch viel schwerer. Nach langer Suche bekam meine Mutter Arbeit in einer Bar, mit Arbeitszeiten bis nach Mitternacht, manchmal auch bis 1:00 oder 2:00 Uhr. In Spanien hatten wir keine Verwandtschaft, aber meine Mutter hatte ein oder zwei gute Freunde. Aber auch die konnten nicht auf mich aufpassen, denn zu diesem Zeitpunkt war ich erst sechs Jahre alt. Dann hat meine Mutter eine Babysitterin für mich gefunden, und von 17 Uhr bis zum nächsten Tag bin ich bei ihr geblieben. Sie hat mich zur Schule gebracht, meine Mutter hat mich dann abgeholt, und wir haben die Zeit bis zu ihrer Schicht gemeinsam verbracht. Meine Babysitterin war Mitte Fünfzig, eine nette Frau, und ich blieb bei ihrer Familie mit Onkel, Cousins und Nichten. Ich hatte einen Nintendo, und bei Langeweile habe ich damit gespielt. Nach zwei Jahren bekam die Babysitterin Streit mit meiner Mutter, und es musste eine andere gefunden werden. Die zweite Babysitterin war Mitte 60, eigentlich nett, aber manchmal hat sie es übertrieben: Aus Spaß hat sich mich einmal am Ohr gerissen, und das hat sehr wehgetan. Sie hat mich auch auf den Kopf geschlagen. Ich habe das alles meiner Mutter erzählt, und sie hat dann wieder eine andere Babysitterin für mich gesucht. Bei der neuen Babysitterin war ich insgesamt zwei Jahre – und bei ihr war alles perfekt: Sie hatte eine große Familie, die gut auf mich aufgepasst hat. Ich blieb dort, bis ich elf Jahre alt war. In dieser Zeit sind wir auch noch dreimal umgezogen. Meine Mutter hat ein paarmal den Job gewechselt, und es gab auch Zeiten, in denen sie arbeitslos war. Spanien hat kein gutes Sozialsystem, und wenn man keine Arbeit hat, kriegt man auch wenig Unterstützung.
In der Schule war ich ein schlechter Schüler, ich habe nicht gut aufgepasst und wollte keine Hausaufgaben machen. Die zweite Klasse habe ich wiederholt. Es war von Anfang an schwierig, mich in der Schule zu integrieren, aber nach einiger Zeit hatte ich gute Freunde in der Schule und in meinem Viertel gefunden. Sechs Jahre war ich in der gleichen Schule, aber als wir umziehen mussten, war das für mich eine Überforderung, und ich war traurig, mein ganzes Leben in eine Tasche packen und weggehen zu müssen. Ich hatte zwar nicht die beste, aber eine gute Kindheit. Bevor wir nach Malaga umgezogen sind, hat meine Mutter mich zwei Wochen lang bei der Babysitterin untergebracht. Dann ist sie nach Malaga gefahren, ohne dort jemanden zu kennen. Ganz alleine, mit all ihrem ersparten Geld. Nach zwei Wochen hat mich die Babysitterin dann zu ihr gebracht. Sie hat in einem Hostel gewohnt und war Tag und Nacht auf Arbeitssuche. Wir hatten kein Einkommen, nur das gesparte Geld. In dem Hostel gab es keine Küche, deshalb hatten wir auch nur eine Mahlzeit am Tag. Entweder wir teilten uns ein Tagesmenü am Imbiss, oder wir aßen Yumyum oder Fertiggerichte, die man nur mit kochendem Wasser zubereiten muss. Nach ein paar Wochen sind wir in eine WG gezogen, wo wir unser Zimmer teilen mussten. Doch nach kurzer Zeit hat meine Mutter dann Arbeit in einem Restaurant als Kellnerin gefunden, und dann sind wir in eine eigene Wohnung gezogen.
Ich bin in eine neue Schule gekommen und musste dort neue Freunde finden. Es war schwer, aber nach einiger Zeit hat es geklappt. Zu dieser Zeit war ich zwölf Jahre alt. Aufgrund unserer Lebensumstände konnte ich außerhalb der Schule nicht viel Zeit mit meinen Freunden verbringen. Ich war oft alleine und habe mich einsam gefühlt. Mit meiner Familie in Burkina Faso konnte ich nicht kommunizieren – ich sprach deren Sprache nicht mehr. Und dann fing es an, dass ich alleine ohne Aufsicht rausgegangen bin. Mit zwölf habe ich das erste Mal gekifft. Einfach so, aus Neugier – der große Bruder eines Freundes hat das Dope besorgt. Doch an diesem Tag habe ich gar keine Wirkung gespürt.
Weil die Miete so teuer war, mussten wir wieder umziehen, ca. 25 km raus aus der Stadt. Und ich musste wieder ankommen. Doch dort habe ich nicht lange gebraucht, um neue Freunde kennenzulernen. Zu dieser Zeit hatte ich vielleicht zwei-, dreimal Mal gekifft. In der Schule war ein Nachbarsjunge, wir freundeten uns an und haben viel zusammen gekifft. Weil ich neu war, kannte ich noch keinen Verkäufer. Doch der Junge hatte bereits einen Namen und war als cool bekannt. Mit ihm war ich viel unterwegs und habe die ersten richtigen Erfahrungen mit Gras gemacht. Wir hatten sehr viel Spaß, während wir zusammen gekifft haben. Ich hatte Lachflashs, und das Essen hat plötzlich dreimal so gut geschmeckt. Er hat mir das Viertel und die Straße gezeigt. Und er hatte immer Gras dabei. Auch meine Mutter hat heimlich, aber sehr selten gekifft, und weil ich so viele Stunden allein zuhause war, habe ich mich aus Langeweile auch an ihrem Gras bedient.
Nach einiger Zeit habe ich nichts mehr bei ihr gefunden, und auch mein Freund hatte nichts mehr. Er sagte zu mir: Komm, wir kaufen auf Combi. Ich wusste damals nicht, dass man Gras kaufen und erst später zahlen kann. Doch nach einiger Zeit war es nicht mehr so schön, weil ich das ausgenutzt habe und viele Schulden hatte. Deshalb habe ich alles gemacht, um an Geld zu kommen. Ich war dreizehn und sah noch jünger aus. Ich habe Leute angesprochen und gesagt, dass meine Mutter und ich keine Papiere haben und etwas zu essen brauchen. Oder ich bin direkt in den Supermarkt rein und habe Menschen gefragt, ob sie mir etwas zu essen kaufen. Meistens haben die Leute mir dann Geld gegeben. Ich war damals auch schon kurz davor, es mit Taschendiebstahl zu versuchen, aber ich hatte nicht den Mut dazu. Eines Tages hat mir meine Mutter Geld gegeben, um den Monatsbeitrag für meinen Sportverein zu zahlen – aber dann habe ich die Leute getroffen, bei denen ich Schulden hatte, inklusive Zinsen obendrauf. Die haben mir mit Messern gedroht, und dann habe ich einen großen Teil meiner Schulden vom Geld meiner Mutter bezahlt. Nach drei oder vier Monaten Stress habe ich mich dann mit anderen Kollegen getroffen. Mit denen habe ich ein bisschen Gras verkauft, damit ich keine Schulden mehr machen muss. 2020 war ich fünfzehn Jahre alt. Aufgrund meiner schlechten Noten schickte mich meine Mutter nach Deutschland, wo mein Vater inzwischen lebte. Ich sollte eine bessere Zukunft als in Spanien haben. Und ich musste wieder alles hinter mir lassen.
Deutschland war ein Schock für mich. Ich bin in Hamburg angekommen, wo mein Vater lebte. Er hatte zwei Jobs und war von 3:30 bis 18:00 nicht zu Hause. Sechs Tage die Woche. Ich konnte die Sprache nicht und kannte auch sonst niemanden außer meinen Vater. Wir haben zu zweit gewohnt, und ich bin erstmal raus in meine neue Umgebung, um einen Verkäufer zu finden, denn ich war auf Gras-Entzug. Über ein paar Verkäufer habe ich dann auch in meinem neuen Viertel Freunde gefunden. Einer von ihnen kam aus Marokko und sprach Spanisch – das war natürlich genial, der hat mich dann mit der ganzen Gruppe bekannt gemacht. Was uns alle verbunden hat, war das Kiffen. Mit der Zeit habe ich mitbekommen, dass einige von denen klauen gingen oder Einbrüche machten. Einmal bin ich mitgegangen. Ich sollte nur aufpassen. Aber ich habe richtig Angst gehabt.
Viele von den Jungs haben Tabletten und Kokain genommen. Mir wurde es auch ein paarmal angeboten, aber ich habe immer Nein gesagt. Aber an Silvester 2021 habe ich zum ersten Mal harte Drogen konsumiert: Ecstasy und MDMA. Dieser Tag war einer der besten in meinem bisherigen Leben. Ich habe mich wie Superman gefühlt. Und ich habe mir gewünscht, dass dieses Gefühl nie mehr aufhört. 2022 habe ich dann mit den Fahrraddiebstählen angefangen. Aufgrund meines hohen Graskonsums brauchte ich mindestens 5g täglich. Ich habe immer häufiger gekaut – alleine oder mit den Jungs, Hauptsache Geld. Im Sommer 2022 hatten wir schon richtig gutes Geld gemacht. Mit meinem Freund bin ich nach Neugraben zu den Blocks, da waren ein paar ältere Jungs. Er kaufte von ihnen Koks. Ich sagte zu ihm: Ich will das heute nur ein einziges Mal probieren. Wir haben dann die ganze Nacht gekokst, und ich war in Hochstimmung. Ich hatte keine Angst, hab sehr viel geredet, war voller Liebe. Das war sehr schön. Bis zu meiner Verhaftung im Sommer 2022 habe ich vielleicht zehnmal Kokain genommen. Und jeden Tag Gras.
Wegen diverser Diebstähle wurde ich zum ersten Mal festgenommen. Dann kam ich in die Jugendgerichtliche Unterbringung (JGU), zur Haftvermeidung. Nach einer Woche bin ich von dort abgehauen und war dreieinhalb Wochen auf der Flucht. Während dieser Zeit habe ich bei Kollegen geschlafen oder war irgendwo unterwegs. Ich habe viel geklaut, aber auch viel konsumiert. In diesen drei Wochen habe ich mehr harte Drogen genommen als in meinem ganzen Leben zuvor: Viel Ecstasy, sehr viel Koks, Benzos und Tramadol. Und Vape mit CBD-Liquid. Ich dachte, das wäre bestimmt so ähnlich wie Gras, aber ich habe nur zweimal dran gezogen und war weg. Das hat sehr geknallt, aber nur zwanzig Minuten lang. Irgendwann habe ich herausgefunden, dass das gar keine CBD war, sondern Spice – eine synthetische Designerdroge. Ich hatte auch gehört, dass das schnell süchtig macht, aber ich dachte, das ist einfach nur ein harmloses Vape. Dann habe ich angefangen, das regelmäßig zu rauchen. In den ersten Nächten hatte ich Panikattacken und dachte, ich sterbe. Ich wusste, dass das viel zu viel war. Aber meine Ausrede war: Ich bin auf der Flucht, bald werde ich bestimmt festgenommen, also muss ich noch meine Freiheit genießen. Dann wurde ich verhaftet.
Die ersten zwei Wochen war der Entzug eine Tortur. Ich habe auch keine Ersatzmedikamente bekommen. Sechs Monate saß ich in U-Haft, dann wurde ich wieder in die JGU gebracht. Dort habe ich mich vorbildlich verhalten. In den ersten vier Monaten habe ich die höchste Phase erreicht. 2024 bin ich dann auf Bewährung rausgekommen. Ich habe meinen ersten Joint in Freiheit geraucht und war sehr enttäuscht, weil das gar keine Wirkung hatte. Dann habe ich weiter Vape geraucht – mit Ecstasy hielt die Wirkung lange an. Bestimmt zehnmal habe ich versucht, damit aufzuhören. Habe das Vape weggeworfen. Aber die Entzugserscheinungen waren zu stark. Ich konnte absolut nichts essen, nicht schlafen, hatte Bauchschmerzen, mir war schlecht, ich bekam Krampfanfälle. Als ich wieder konsumiert habe, war sofort alles weg, und es ging mir wieder gut. So wie ein leergefahrenes Auto, wenn man es wieder volltankt. Es gab jetzt keinen Moment mehr, an dem ich nicht konsumiert habe: Beim Bewährungshelfer, im Bus, bei der Arbeit, sogar auf dem Polizeirevier. Dazu alle zwei bis drei Tage Kokain, um wach zu bleiben und Kraft zu haben. Glücklich war ich mit dem Konsum nicht. Ich war komplett gefühllos, egal, was passiert ist. Ich war nicht mal traurig, und niemand konnte verstehen, was mit mir los war. Ich bin überall, wo ich nur kurz saß, sofort eingeschlafen. Das war peinlich, und aufgrund dessen, weil ich mich schämte, habe ich nicht mehr so viel mit den Jungs abgehangen. Ich war nur noch am Klauen, und die Drogen nahm ich längst nicht mehr nur zum Spaß. Ich brauchte sie, um den Mut fürs Klauen zu haben, und ich habe geklaut, um die Drogen zu kaufen. Ein Teufelskreis. Mein Vater war die ganze Zeit am Arbeiten, und ich hatte niemanden, mit dem ich über meine Probleme reden konnte. Meine große Einsamkeit konnte ich beim Konsum mal kurz vergessen. Aber wenn ich nichts hatte und auf Entzug war, ist alles wieder hochgekommen. Ich habe oft geweint und wusste nicht warum. 2024 wurde ich verhaftet und in die JVA Hahnöfersand gebracht. Hier bin ich bis heute.
Man entscheidet nicht, wo man zur Welt kommt: In einem reichen Land, einem armen, im Krieg, bei einer guten Familie oder nicht. Jeder sollte eigentlich die gleichen Möglichkeiten haben, um im Leben erfolgreich zu sein. Leider ist es nicht so, und wenn man in einem Land der Dritten Welt wohnt, sind die Möglichkeiten begrenzt. Um aus der Armut wegzukommen, gibt es immer die Möglichkeit, zu flüchten, damit man vielleicht später einen guten Job bekommt. Aber auch das ist schwierig, wenn man vielleicht schon als Kind die Schule verlassen muss, weil einen die Eltern finanziell nicht unterstützen können. Meistens macht man dann das Gleiche wie die Eltern, weil sie ein Vorbild sind. Und Kinder wollen etwas Besseres werden, um ihre Eltern nicht zu enttäuschen.
In zehn Jahren sehe ich mich in Spanien mit einer Firma im Elektro-Bereich. Ich sehe mich verheiratet mit zwei Kindern – einem Mädchen und einem Jungen. Ich sehe mich in meiner alten Umgebung, wo ich einen Teil meiner Kindheit verbracht habe. Wir leben nicht so weit von meiner Mutter, meinem kleinen Bruder und meinem Stiefvater entfernt, die wir regelmäßig besuchen. Auch nach Deutschland fliegen wir oft, um meinen Vater und meine Stiefmutter zu sehen. Die Geschäfte laufen gut, mittlerweile habe ich ein Haus gekauft und ein Auto. Genau kann ich es nicht sagen, aber wahrscheinlich wird es ein BMW sein. Und in den Sommerferien fahre ich mit meiner Frau und den Kindern in mein Heimatland Burkina Faso, wo wir viel Zeit mit meiner Familie verbringen.
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DIE HAFTNOTIZEN
Kolumne mit kreativen Texten aus der JVA Hahnöfersand
Die Autoren sind allesamt Jugendliche und junge Erwachsene aus der Justizvollzugsanstalt Hahnöfersand. Sie nehmen an der dortigen Gruppe für kreatives Schreiben teil, mit der fachlichen Begleitung der Autorin und Schreibtrainerin Tania Kibermanis.







