Haftnotizen Ausgabe 3

In unserer neuesten Ausgabe haben wir uns einige unterschiedliche Themen vorgenommen: Wir haben über die Wahl in den USA diskutiert und aufgelistet, was für Trump und was für Biden spricht. Zwei Autoren haben sich eingehend mit dem Thema „Mobbing“ befasst. Es gibt eine literarische Betrachtung über das Leben im Knast genauso wie einen Überblick über die Vor- und Nachteile von Elektromobilität. Und natürlich wieder eine Reisegeschichte.

Hinweis: Die Klarnamen der Verfasser sind durch Pseudonyme ersetzt.

Meinungsfreiheit

Wie immer ist uns Meinungsfreiheit sehr wichtig – deshalb äußert der jeweilige Verfasser seine ganz persönliche Meinung, die nicht unbedingt vom gesamten Team der Haftnotizen geteilt werden muss.

Schreibtrainerin: Tania Kibermanis


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Trump oder Biden?

Wahl in den USA

Vielleicht ist die Wahl in den USA schon entschieden, wenn diese Ausgabe erscheint. Vielleicht aber auch noch nicht. Wir haben in unserer kleinen Redaktion mal gesammelt, was für Trump und was für Biden spricht – ganz sachlich, ohne dass es unbedingt unsere eigene Meinung ist:

Trump
  • ist als Geschäftsmann erfolgreich.
  • verspricht viel.
  • wird geschätzt wegen der Mauer zu Mexiko.
  • vertritt das Waffenrecht, ist ein Kriegsförderer.
  • hat Handelssanktionen gegen China eingeführt.
  • ist einer für das rechte Lager (gegen Ausländer).
  • hat ein zeitweiliges Einreiseverbot für Muslime ausgesprochen.
  • wird von Rechtsradikalen gut gefunden.
  • will die Krankenversicherung „Obama-Care“ abschaffen.
  • ist Abtreibungsgegner.
  • provoziert andere Staatsoberhäupter.
Biden
  • ist Demokrat.
  • ist Anti-Rassist, tritt dafür ein, dass alle miteinander klarkommen.
  • will etwas verändern und nicht nur reden.
  • will die Waffengesetze verschärfen.
  • spielt sich nicht so auf.
  • hat lange Zeit Erfahrung in der Politik, war schon mal Vize-Präsident.
  • ist mitfühlend und interessiert sich für das, was im Land passiert.
  • ist die bessere Version eines Präsidenten.
  • und hat eine gute Vizepräsidentin.

Mobbing

Text von DoubleG und Double-H (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)

Ist Mobbing eine Straftat?

Die Gesetzgebung ist in allen Ländern verschieden, was das Thema Mobbing angeht. In Deutschland ist Mobbing allgemein keine Straftat, aber die einzelnen Handlungen können strafrechtliche Tatbestände nachweislich erfüllen, zum Beispiel Schlagen (Körperverletzung), Drohen (Nötigung), Beleidigen (Beleidigung, üble Nachrede) und weitere Dinge. Häufig kommt Mobbing in der Schule, am Arbeitsplatz, im Gefängnis oder in Wohneinrichtungen vor.

Wo fängt Mobbing an?

Mobbing fängt meistens schon in jungen Jahren oder in der Schule an. Aber es gibt genauso auch Mobbing bei Erwachsenen: Wenn man von einer oder mehreren Personen erniedrigt wird, beleidigt oder ausgelacht wird. Wenn man aufgrund seines Aussehens, seiner finanziellen Lage oder auch aus Neid, weil man etwas hat, was der Mobber gern hätte, psychisch oder körperlich verletzt wird.  Mobber mobben Menschen, wenn sie merken, dass die Person darauf eingeht – und damit zeigt, dass das Mobbing funktioniert. Und dann geht es immer weiter.

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Wie wird man zum Täter? Was für Typen sind Mobber?

Mobber sind Menschen, die sich beweisen und als jemand Besseres ausgeben wollen. Die Mobber sind meistens die Leute, die selbstbewusst und stark wirken, aber mit ihrem eigenen Leben nicht zufrieden sind. Manchmal haben sie Mobbing auch selbst erlebt, wurden als Kind ausgegrenzt, und wenden es jetzt bei anderen an, um ihre Last loszuwerden. Meistens fühlen sie sich selbst schwach und suchen sich deshalb gezielt Schwächere aus, um ihren Frust und ihre Probleme an den Opfern auszulassen und ihre Macht auszutesten. Mobbing kann von einem Täter ausgehen oder von mehreren, weil man sich in einer Gruppe stärker und sicherer fühlt. Viele sind auch einfach nur Mitläufer, damit sie nicht selbst ins Visier der Mobber kommen. Die Täter wissen genau, wie man vorgeht. Sie fangen meistens langsam an: Erst wird ausgegrenzt, dann beleidigt, geschlagen oder unterdrückt. Mobbing ist eine Art Selbstbefriedigung. Mobber wollen Aufmerksamkeit. Beachtet werden. Mobber versuchen damit, ihre eigene Vergangenheit als Opfer zu verarbeiten und schlechte Erinnerungen loszuwerden.

Wer sind die Opfer? Wie wird man zum Opfer?

Mobbingopfer sind oft die, die schwächer und kleiner sind. Menschen, die psychisch schwach, verzweifelt oder einsam und alleine sind. Oder die, die ängstlich, schüchtern oder übergewichtig sind oder keine Markenkleidung tragen. Menschen mit Problemen, die sich nicht zu verteidigen wissen.  Ein Opfer wird meist gezielt geschädigt. Es wird versucht, die Bindung mit jeder Bezugsperson des Opfers auseinanderzureißen, damit er oder sie immer das Gefühl hat, alleine zu sein. Die Bezugsperson wird auch gemobbt: Entweder, man versucht, sie auf die andere Seite zu ziehen, oder sie wird unter Druck gesetzt. Mobbingopfer können dadurch erhebliche Angstzustände, Depressionen oder Krankheitsfolgen bekommen.  Es wird immer schlimmer, wenn man sich nicht wehrt und nicht dagegen angeht.

Was kann man gegen Mobbing tun?

Man sollte sich möglichst Hilfe holen – und das schnell. Man wendet sich an Vertrauenspersonen, die das Problem ernst nehmen: Eltern, Geschwister, Lehrer. Es werden auch Kurse gegen Mobbing angeboten. Am besten ist: gar nicht darauf eingehen. Ignorieren. So tun, als wäre es dir egal. Denn die Leute, die darauf eingehen, werden meistens weiter gemobbt. Dann muss man mit der Polizei reden und Anzeige erstatten.

Geht Mobbing ohne Opfer?

Es gibt definitiv auch gescheitertes Mobbing – wenn die ausgesuchten Opfer keine sind, weil sie stark genug sind, sich zu wehren. Oder frühzeitig Hilfe holen. Trotzdem ist es Mobbing, weil der Täter es versucht, aber nicht geschafft hat.

Fazit: Man sollte sich sofort gegen Mobbing wehren und Hilfe suchen. Jeder, der eine Art Mobbing mitbekommt, sollte nicht weggehen, sondern helfen. Es muss mehr ein Miteinander sein als ein Gegeneinander.


Die Tür hat keinen Griff

Text von St. Pauli (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)

(alleine/ einsam)

Das Licht geht aus. Türen sind zu. Man ist wieder mal ganz alleine. Und versucht, die Nacht rumzukriegen.

(Gedanken)

Man denkt über vieles nach – wie es weitergeht und wie man die Zeit schaffen soll. Und wann es hier endet.

(Gewohnheiten)

Draußen kann man sich frei bewegen. Hingehen, wo man Lust hat. Und das essen, was man will. Was hier nicht geht.

(eingeengt)

Man will frei sein. In der Zelle zu sitzen ist langweilig. Und oft kommen die Wände auf einen zu.

(eingeschränkt)

Man muss das machen, was sie wollen. Eine Stunde Freigang auf einem bestimmten Hof. Gitter vor dem Fenster. Und kein Griff an der Tür.

(Zeit)

Man weiß manchmal nicht, wie man die verbleibende Zeit rumkriegen soll. Wie man das schafft. Ein Tag hier ist wie eine Woche draußen.

(weg von Familie/ Freunden/ Frau)

Man ist alleine. Keiner von ihnen ist bei mir. Man braucht sie oft. Aber sie sind nie da. Und wenn sie da sind, dann nur kurz. Viel zu kurz.

(sich selbst beschäftigen)

Man muss lernen, seine Zeit im Raum zu überstehen. Und dafür sorgen, dass es nicht langweilig wird.

(Vertrauensperson)

Das ist eine schwere Sache. Aber man braucht sie.

(akzeptieren)

Die Zeit geht auch um.

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Elektromobilität

Text von Jack T. (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)

Was gibt es überhaupt alles mit Elektroantrieb?
  • Autos/ Busse
  • Boote/ Fähren
  • Motorräder/ Roller
  • Fahrräder

Der Start für Elektrofahrzeuge war schwer: Wegen des Akkus wenig Reichweite und hohe Kaufpreise. Doch mittlerweile haben viele Fahrzeughersteller daran gearbeitet und die Elektroautos attraktiver gemacht – wie zum Beispiel den VW ID.3 Elektro-Golf, Porsche Taycan oder Mercedes EQ. Aktuell werden auch Prämien angeboten: Wenn man sein altes Fahrzeug abgibt, bekommt man bis zu 7000,- Euro Rabatt beim Kauf eines Elektroautos. Dadurch hoffen die Hersteller, dass sich viele Menschen für ein umweltfreundliches Fahrzeug entscheiden.

Was ist gut an Elektro-Fahrzeugen?
  • Kein CO2-Ausstoß (nur bei der Produktion)
  • Kein Lärm/ Ruhestörungen
  • Kostenlose Parkplätze
  • Akku laden beim Parken
  • Keine KfZ-Steuer
Was stört viele am Elektroauto?
  • Lange Ladezeit
  • Kein richtiger Motorsound 😊
  • Material für Batterie (giftig)
  • Wenig Ladestationen
Tut die Politik etwas dafür?

Teilweise ja, durch finanzielle Förderung (Elektro-Bonus)

Tun Firmen auch etwas dafür?

Ja. Zum Beispiel Amazon bestellte kürzlich 100.000 Elektrofahrzeuge  – als größter Online-Shop ist das auch wichtig.

Gibt es auch Elektro-Flugzeuge?

Für Autos ist der Akku gut, für Flugzeuge bieten die aktuellen Batterien zu wenig Speicherplatz. Es wird aber eifrig geforscht, um das Problem zu lösen. Das Forschungsflugzeug „E-Genius“ erreichte bei einem Test über 100 Kilometer eine mittlere Geschwindigkeit von 222 km/h. Vor allem Kleinflugzeuge eignen sich für elektrisches Fliegen, da sie so leicht sind.

Ich persönlich finde den Schritt auf E-Mobilität sehr gut, da wir so im Großen und Ganzen etwas für die Umwelt tun.

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Urlaub in Albanien

Text von Adi (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)

Wie viele andere Menschen mit Familie im Ausland, bin ich es auch gewöhnt, dort Urlaub zu machen. In meinem Fall handelt es sich um das kleine Land Albanien, welches direkt am Mittelmeer liegt. Es gibt dort nur einen Flughafen, aber mit einer Flugzeit von einer Stunde und 30 Minuten ist es kein weiter Weg. Viele Leute können sich kein richtiges Bild zu diesem Land vorstellen, da sie nie etwas davon gehört haben – oder nur sehr wenig. Meine Familie lebt überwiegend in der Stadt Vlora, die in einer Bucht am Meer liegt und wo sich das Adriatische und das Ionische Meer kreuzen. Die Landschaft dort ist wunderschön, denn die Stadt liegt direkt am Gebirge. In Albanien gibt es sehr leckeres Essen, das oft an die italienische Küche angelehnt ist: Meeresfrüchte und Fisch sind dort besonders beliebt, da der Fisch dort meistens frisch gefangen und direkt zubereitet wird.

Viele denken auch, dass es in Albanien nichts zu tun gibt oder dass es dort langweilig ist – aber das stimmt nicht. Man kann zum Beispiel Paragliding machen: Das heißt, man segelt mit einer Art Fallschirm von einem Berg über die ganze Stadt und landet am Ende am Strand. Außerdem kann man sich auch Boote und Jetskis billig mieten und damit dann ein bisschen übers Meer fahren. Oder auf eine Insel, die nur wenige Kilometer vor der Stadt liegt. Es gibt dort auch einige Clubs und sehr viele Bars und Cafés, wenn man abends etwas unternehmen will. Für mich ist es natürlich immer besonders schön, wen ich dort ankomme und meine Familie wiedertreffe. Da wir nur einmal im Jahr dort hinfahren, ist es immer eine große Freude.

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Feedback

Die Verfasser der Artikel freuen sich sehr über Feedback zu ihren Texten. Schreibt uns gerne Lob und Kritik an jugendinfo@bsfb.hamburg.de und wir leiten eure Rückmeldungen (anonymisiert) weiter.


DIE HAFTNOTIZEN

Kolumne mit kreativen Texten aus der JVA Hahnöfersand

Die Autoren sind allesamt Jugendliche und junge Erwachsene aus der Justizvollzugsanstalt Hahnöfersand. Sie nehmen an der dortigen Gruppe für kreatives Schreiben teil, mit der fachlichen Begleitung der Autorin und Schreibtrainerin Tania Kibermanis.

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