Haftnotizen Ausgabe 13

Übersicht

In dieser Ausgabe der HAFTNOTIZEN haben wir uns eine Menge Fragen gestellt: Soll man noch Fleisch essen? Wie würde es sich anfühlen, in einer Diktatur zu leben? Wie formuliere ich ein Bedürfnis? Und was machen all diese Statistiken über die Miss-stände auf der Welt eigentlich mit mir? Dazu haben wir, wie immer, darüber nach-gedacht, was eigentlich ein gutes Leben ist und wohin wir mal verreisen wollen.

Hinweis: Die Klarnamen der Verfasser sind durch Pseudonyme ersetzt.

Meinungsfreiheit

Wie immer ist uns Meinungsfreiheit sehr wichtig – deshalb äußert der jeweilige Verfasser seine ganz persönliche Meinung, die nicht unbedingt vom gesamten Team der Haftnotizen geteilt werden muss.

Schreibtrainerin: Tania Kibermanis


Soll man eigentlich noch Fleisch essen?

Ein Pro & Contra von Chiko und Zizou Abu D.

PRO

  • Schmeckt geil.
  • Tiere sterben so oder so und werden ansonsten von anderen Tieren gefressen.
  • Es ist natürlich – Menschen essen schon seit Millionen Jahren Fleisch.
  • Es ist gesund, wenn das Fleisch ok ist.

CONTRA

  • Massentierhaltung – jedes Lebewesen sollte unter würdigen Bedingungen leben.
  • Die Lebensbedingungen der Tiere sind unnatürlich – sie werden mit Antibiotika vollgepumpt und fressen minderwertiges oder gentechnisch verändertes Futter.
  • Man kann kein Wesen essen, das einen schon mal angeguckt und das man gestreichelt hat.
  • Wenn es dem Tier schlecht geht, schmeckt das Fleisch auch nicht.

Bonustrack: Was ist das Merkwürdigste, was ich jemals gegessen habe?

  • Schafsköpfe mit Kurkuma
  • Schnecken
  • Hirnsuppe mit Zunge
  • Gekochter Pansen
  • Jellybeans mit Popel-Geschmack
  • Das Innere vom Seeigel
  • Qualle
  • Ameisen

Wie lebt es sich in einer Diktatur?

Von Bojack, Ousman und Double-G

Um euch unsere Denkweise nahezubringen, wollen wir euch erstmal erklären, wie wir uns eine Diktatur vorstellen. In einer Diktatur entscheidet der Diktator als alleiniger Herrscher über sein Land und dessen Bürger. Und seine Entscheidungen sind unan-fechtbar. In einer Diktatur gibt es kein Parlament und keine demokratischen Entschei-dungen. Der Diktator kann machen, was er will. Er entscheidet auch über die Justiz, beispielsweise über das Strafmaß von Verurteilten, er kann die Gesetze auch beliebig ändern. Kein Bürger hat eine freie Stimme, die Leute können somit ihre Meinung nicht frei äußern, und es gibt auch keine Pressefreiheit. Wer sich dem widersetzt, wird ohne gesetzliche Grundlage hart bestraft.

Nachdem wir euch unsere Auffassung von einer Diktatur nahegebracht haben, stellen wir uns nun vor, wie ein Leben in einer Diktatur für uns wäre. Wir stellen es uns gefährlich vor, da wir es gewohnt sind, unsere Meinung frei zu sagen und uns den Mund nicht verbieten zu lassen. Es ist uns sehr wichtig, sich frei äußern zu dürfen. Aber wenn man dies in einer Diktatur tut, können harte Repressalien verhängt werden wie beispielsweise in Belarus oder in Russland im wahrscheinlich bekanntesten Fall des Kreml-Kritikers Nawalny, dessen Bewährung grund-los widerrufen wurde und den man mutmaßlich so-gar versucht hatte, zu vergiften, da er mit seiner

Meinung und seiner politischen Auffassung gegen Putin vorging und dabei sehr viele Leute auf seine Seite brachte. Dafür wurde er jedoch sehr hart bestraft. In einer Diktatur werden oft einzelne Menschen hinter schwedische Gardinen gebracht und gefoltert ohne jegliche Begründung. Wenn wir gegen das Regime vorgehen und an Demonstrationen teilnehmen würden, um etwas zu ändern, würde mit Gewalt gegen uns vorgegangen, um uns den Mund zu verbieten. Wir würden ständig in Angst und im Konflikt mit dem Regime leben. Der Terror gegen uns würde uns vielleicht sogar dazu bewegen, aus unserem Land zu flüchten.


Wie formuliere ich ein Bedürfnis?

Wenn man sich etwas wünscht und in die Tat umsetzen möchte.

Von Rahjan

Grundbedürfnisse – auf die kann man nicht verzichten, zum Beispiel essen, trinken oder schlafen. Aber natürlich gibt es auch noch mehr Bedürfnisse, zum Beispiel materielle: ein Luxusauto, Designerkleidung, Schmuck oder teures Essen. Und dann gibt es noch persönliche Bedürfnisse: Eine Partnerin, Sex, Familie, Zuneigung, Freunde. Wenn man das alles nicht hat, wird man traurig und versucht alles Nötige, um es zu bekommen. Es ist sehr wichtig, mit seinem Partner oder Partnerin über die eigenen Bedürfnisse zu sprechen. Zum Beispiel, wie man sein Essen mag oder ob man dazu etwas Kaltes trinken möchte. Schließlich will man ja ehrlich zu seinem Partner sein. Sonst klappt die Beziehung nicht. Zum Beispiel wenn der Partner gerne Fußball guckt und der andere nicht, dann kann es zu Schwierigkeiten kommen – aber man kann ja mitgucken, um zu zeigen, dass man sich Mühe gibt, damit der Partner glücklich wird. Aber manche Bedürfnisse kann man eben auch nicht erfüllen, weil man zum Beispiel beim Sex manche Dinge nicht gerne macht. Oder weil es zu viel Überwindung kostet. Aber es ist immer richtig, wenn man sagt, was man sich wünscht.


HALTEN WIR FEST ... Was machen Statistiken über die Missstände auf der Welt mit uns?

Von Zizou Abu D.

  • 800.000 Menschen begehen jährlich Suizid.
  • 3 Millionen Menschen sterben durch Alkoholismus.
  • Weltweit hungern ca. 690 Millionen Menschen, das ist jeder 11. Mensch auf diesem Planeten. 30-40 Millionen Menschen sterben jährlich an Hunger und den Folgen.
  • 2,2 Milliarden Menschen weltweit haben keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Wasser, rund 785 Millionen Menschen haben noch nicht einmal eine Grundversorgung mit Trinkwasser.
  • Weltweit gibt es ca. 87.000 Femizide (Morde an Frauen, weil sie Frauen sind – häusliche Gewalt, Gewalt im Krieg, etc), das sind 137 am Tag.
  • 6,1 Millionen Kinder unter 15 Jahren sterben jährlich weltweit.

Viele Menschen denken jetzt wahr-scheinlich, dass Menschen verhun-gern, weil es zu wenig Wasser oder Nahrung gibt, doch das eigentliche Problem ist die ungerechte Vertei-lung. Statistisch würde jedem Men-schen auf dieser Welt Nahrung in einer Menge von 30 Kühen zuste-hen. Doch 30 % der Menschheit be-anspruchen 70 % der Ressourcen für sich, und das sind hauptsächlich

die USA und die europäischen Staaten. Was machen diese Zahlen mit euch? Was lösen diese Informationen bei euch aus? Vielleicht macht ihr euch Gedanken, was IHR tun könnt – mit euren Mitteln. Ob ihr vielleicht auch Verantwortung tragt (Stichwort: materialistische Konsumgesellschaft). Die meisten von euch werden sich wahrscheinlich als erstes fragen, was sie denn überhaupt damit zu tun haben. Und werden zu keinem Schluss kommen – außer, dass sie eh nichts dagegen ausrichten können. Und so weiterleben wollen wie bisher. Die taub, stumm und blind weiter Regierungen wählen, die ihren Wohlstand sichern, damit wir weiterhin so sorglos und verschwenderisch leben können, wie wir es gerade tun.

(Quellen: UNICEF, Terre des Femmes)


Was ist für mich ein gutes leben?

Von R. Taghi und Scarface

Mein schönes Leben interpretiere ich so:

An einem abgelegenen Ort in der der Natur, steht das Haus an einem glasklaren See, worin ich mit der Frau, die ich liebe, und unseren drei wunderbaren Kindern lebe. Der Abstand zur Großstadt gibt mir und meiner Familie ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit.

An den Wochenenden kommen gelegentlich die Verwandtschaft und gute Freunde zusammen, um zum Beispiel den Grill anzuschmeißen oder am Pool zu entspannen.

Ich habe es geschafft, mein Hobby zum Beruf zu machen und dadurch mittlerweile ein kleines Vermögen anzuhäufen. In meinen Tonstudio treffe ich mich regelmäßig mit meinem engen Kreis und wir arbeiten gemeinsam an neuen Musikprojekten.

Nach einem langen Arbeitstag im Studio freue ich mich auf meine Frau und die Kinder, um den Abend ausklingen zu lassen. Beim Abendessen reden wir darüber, wie unser Tag war und was wir erlebt haben. Nachdem ich zusammen mit meiner Frau die Kinder ins Bett gebracht habe, drehen wir zusammen mit unserem Hund eine Runde um den See.

Ich stecke mir meine Zigarette an und denke mir: WAS FÜR EIN SCHÖNES LEBEN.            


Statt einer Reisegeschichte: Wo wir gerne mal hinreisen würden

Von Bojack und Ousman

Wir möchten auf die Seychellen fliegen, um dort am Strand zu liegen und im türkisen Meer schwimmen zu gehen. Wir möchten am Strand spazieren gehen, die schlechten Zeiten vergessen und eine unbeschwerte Zeit verbringen. Am besten für diese Zeit in einem Haus mit Pool wohnen mit einem Ausblick aufs Meer. Das Land, die Kultur und das Essen kennenlernen. Die Zeit zur Erholung und Regeneration nutzen, in der man alle Probleme und Sorgen, die man hatte, vergisst und nach dem Urlaub neu starten kann. Am besten wäre es, diese Zeit mit Menschen zu verbringen, die einem nahe stehen. Wir möchten Jet- und Wasserski fahren, die Landschaft und die dortige Tierwelt erkunden – auf dem Land und im Meer. In der Sonne liegen und die wunder-schöne Umgebung genießen. Uns einfach nur am Leben freuen und neue Eindrücke sammeln, die man niemals wieder vergisst.


Feedback

Die Verfasser der Artikel freuen sich sehr über Feedback zu ihren Texten. Schreibt uns gerne Lob und Kritik an jugendinfo@bsfb.hamburg.de und wir leiten eure Rückmeldungen (anonymisiert) weiter.


DIE HAFTNOTIZEN

Kolumne mit kreativen Texten aus der JVA Hahnöfersand

Die Autoren sind allesamt Jugendliche und junge Erwachsene aus der Justizvollzugsanstalt Hahnöfersand. Sie nehmen an der dortigen Gruppe für kreatives Schreiben teil, mit der fachlichen Begleitung der Autorin und Schreibtrainerin Tania Kibermanis.

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