Haftnotizen Ausgabe 20

Übersicht

In dieser Ausgabe der Haftnotizen haben wir darüber diskutiert, ob Privatleute überhaupt Waffen besitzen sollten. Wir haben uns Gedanken gemacht, was Heimat eigentlich bedeutet, wie man die eigenen Kinder erziehen und welche Hilfsorganisation wir gründen würden. Und ein bisschen gerappt haben wir auch.

Hinweis: Die Klarnamen der Verfasser sind durch Pseudonyme ersetzt.

Meinungsfreiheit

Wie immer ist uns Meinungsfreiheit sehr wichtig – deshalb äußert der jeweilige Verfasser seine ganz persönliche Meinung, die nicht unbedingt vom gesamten Team der Haftnotizen geteilt werden muss.

Schreibtrainerin: Tania Kibermanis


Wie würde ich meine Kinder erziehen?

Text von Double-G (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand):

Auf jeden Fall sehr anständig, mit sehr viel Liebe und Zuneigung. Ich würde erst Kinder machen, wenn ich bereit dazu wäre. Schließlich will ich meinem Kind ja auch etwas bieten können, so dass es sich im Jugendalter nicht zum Kriminellen entwickelt – also das, was in meiner Kindheit falsch gelaufen ist, würde ich versuchen, bei meinen Kindern besser zu machen. Ich würde sie auf eine gute Schule schicken, ihnen viel beibringen und ihre Talente fördern. Ich würde auch viel mit meinen Kindern unternehmen und versuchen, sie so oft wie möglich glücklich zu machen. Ich würde sie in einer guten, sauberen Gegend aufziehen. Meine Kinder würde ich niemals schlagen, sondern ihnen erklären, was sie falsch gemacht haben. Kinder sollen sich immer sicher fühlen, so dass sie wissen, dass jemand für sie sorgt. Und dass sie geliebt werden – egal, wer sie sein wollen. Sie können sich frei entwickeln, so wie sie es wollen.

Ich will meinen Kindern ein gutes Vorbild sein, so dass sie stolz auf mich sein können – dann habe ich auch ein gutes Gefühl. Ich würde meinen Kindern beibringen, dass sie ihre eigene Persönlichkeit und Meinung haben und frei äußern dürfen. Und dass sie wissen, dass ich für sie da bin. Auch wenn sie denken, dass sie etwas falsch gemacht haben. Dass alles vergänglich ist und jeder Mensch Fehler macht. Ich würde meine Kinder respektvoll aufziehen, so dass sie auch jeden anderen Menschen respektieren – egal, welche Religion oder Hautfarbe, ob arm oder reich – dass alle Menschen gleich sind. Meine Kinder sollen aufrichtig sein, und ich würde ihnen vieles über das Leben beibringen: Dass Geld nicht alles und das Materielle nicht das Wichtigste ist.

Hätte ich eine Tochter, würde ich vielleicht anders vorgehen als bei einem Sohn. Bei Mädchen hat man mehr Fürsorgepflicht. Ein Mädchen würde ich früh aufklären, vor allem in der Pubertät, wie das Leben so ist – dass Jungs auch blöd sein können und einen gerne mal verarschen, und dass man deshalb immer besonders aufpassen sollte. Ich würde bei meinen Kindern aber ansonsten nicht zwischen Junge und Mädchen unterscheiden, sondern beiden die gleichen Werte vermitteln.


Sollten Privatleute Waffen besitzen dürfen?

Diskutanten: Tensa7, Baller und Maro (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)

Contra:

  • Selbstverteidigung (es ist nie gut, wenn man sich mit Waffen verteidigen muss)
  • Weil man sich damit mächtiger fühlt (und dann vielleicht überreagiert)
  • Wenn man eine Waffe hat, benutzt man sie auch
  • Es ist sehr gefährlich für Kinder, wenn Waffen im Haus sind
  • Man kann versehentlich Unschuldige erschießen oder verletzen
  • Mit Waffen gibt es mehr Gewalt und damit auch mehr Gerichtsprozesse und mehr Menschen im Gefängnis
  • Wenn es keine Waffen gibt, gibt es auch keinen Krieg
  • Allein der Staat sollte das Monopol auf Waffen haben

 

Pro:

  • Selbstverteidigung
  • Weil man sich damit mächtiger fühlt
  • Weil man Waffen an sich vielleicht schön oder aufregend findet
  • Man fühlt sich sicherer mit einer Waffe
  • Je nachdem, wo man lebt, muss man damit rechnen angegriffen zu werden. In manchen Gegenden der Welt kann man gar nicht unbewaffnet leben
  • Es liegt in der menschlichen Natur, sich zu verteidigen – in der Steinzeit gab es auch schon Keulen und Steinschleudern
  • Man kann alles als Waffe benutzen, auch ein gefrorenes Kotelett
  • Waffen töten keine Menschen – Menschen töten Menschen

Wenn ich eine Hilfsorganisation gründen würde…

Text von Bojack und Ousman (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)

… wäre das eine Organisation für Kinder aus sozial-ökonomisch schwachen Schichten mit Gewichtsproblemen. Es gibt kaum Hilfsorganisationen, welche dieses Problem sehen und sich damit befassen. Kinder, die übergewichtig sind, haben viele körperliche Beschwerden und das Risiko, früher zu sterben als Menschen mit Normalgewicht. Das können zum Beispiel Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes sein, Herz-Kreislauf-Probleme, Bluthochdruck oder Probleme mit den Gelenken. Dazu kommen mangelndes Selbstwertgefühl, Depressionen und Unzufriedenheit mit den eigenen körperlichen Fähigkeiten. Meine Hilfsorganisation wäre ein Fitness-Studio, welches verschiedene Sportmöglichkeiten anbietet, Zu Beispiel Zirkeltraining, Fußball, Boxen und verschiedene Bewegungsspiele. Außerdem soll ein Schwerpunkt auf gesunder Ernährung liegen – was man essen kann, ohne dick zu werden, und wie man es zubereitet, ohne dass es teuer ist. In meinem Studio würden alle zusammen gesund essen und trinken. Die Sportangebote sollen täglich in verschiedenen Kategorien stattfinden, so dass die Mädchen und Jungs gucken können, welche Sportart, bzw. welches Sportprogramm ihnen Freude bereitet, und ob sie Lust haben, ihr neu gefundenes Hobby weiter zu verfolgen. Jedes Sportangebot soll mindestens viermal wöchentlich stattfinden, so dass die Kinder und Jugendlichen am Ball bleiben und ihre sportlichen und leistungsmäßigen Fortschritte sehen können. Außerdem sollen sie nach dem Sport zusammen ausgewogen kochen – nach den Kriterien, die sie in den begleitenden Gesprächen lernen. Die Gespräche befassen sich mit gesunder Ernährung, und das Therapieangebot soll auch allgemein über gesunde und ungesunde Lebensführung aufklären (Konsequenzen, bzw. Vorteile), da der familiäre Hintergrund der Betroffenen die Probleme oft nicht erkennt und sich über die Folgen nicht bewusst ist. Daher kann die Familie oft nicht die notwendige Aufklärungsarbeit leisten, um die anzugehenden Schritte selbst in die Wege zu leiten. Außerdem sollen in den Gesprächen die möglichen Krankheiten, die durch Übergewicht verursacht sind, erklärt werden. Falls einer der Jugendlichen bereits unter einer Krankheit leidet, die von seiner körperlichen Situation verursacht wurde, sollen die Gespräche Möglichkeiten aufzeigen, wie der Betreffende mit seiner Krankheit bestmöglich umgehen und Schritte einleiten kann, um seine Ziele trotzdem zu erreichen. Das Programm meiner Hilfsorganisation soll zwölf Monate lang dauern und von der Krankenkasse bezahlt werden. Meine Organisation trägt den Namen „Anti-Fett“ und wird vorwiegend aus Spendengeldern finanziert. Ziel ist es, jedem Teilnehmer ein unbeschwertes, körperlich fittes und diszipliniertes Leben voller Freude zu ermöglichen.


Was ist für mich Heimat?

Text von Tensa7 (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)

Heimat ist für mich Marokko. In meiner Heimatstadt am Strand sitzen, in einem der vielen kleinen Kioske, die vollgestapelt sind mit allen möglichen Dingen, einen Drink holen. Gutes Essen gemeinsam mit der Familie. Später will ich mal in Marokko leben, aber erst, wenn ich älter bin – beim Arbeiten verdient man dort nicht so viel Geld wie hier. Meine Familie ist für mich Heimat: Eltern, Geschwister, Tanten und Cousins. Wir sitzen dann mit vielen Leuten im Haus meiner Tante, es gibt Fleisch im Tontopf, gekochte Möhren, Kartoffeln und Reis. Alle sprechen Soussi, unsere Berbersprache, dazu trinken wir frischen Minztee und essen Gebäck. Wir sitzen alle zusammen und erzählen. Und die Hauptperson ist meine Oma, die alles weiß und jede Geschichte kennt.


Feedback

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DIE HAFTNOTIZEN

Kolumne mit kreativen Texten aus der JVA Hahnöfersand

Die Autoren sind allesamt Jugendliche und junge Erwachsene aus der Justizvollzugsanstalt Hahnöfersand. Sie nehmen an der dortigen Gruppe für kreatives Schreiben teil, mit der fachlichen Begleitung der Autorin und Schreibtrainerin Tania Kibermanis.

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