Diese Ausgabe der Haftnotizen beschäftigt sich mit dem Bösen. Die Autoren haben sich intensiv mit ungeklärten und aufgeklärten Verbrechen beschäftigt, die Arbeit der Ermittler ins Visier genommen und sich gefragt: Wie klärt man ein Verbrechen auf, welche Fehler können dabei passieren? Kann man das Böse erkennen und abwehren, wenn es einem begegnet? Wie kann man es verhindern, bevor es entsteht? Und woher kommt eigentlich die Faszination, die gerade ungeklärte Mordfälle auf viele Menschen ausüben?
Unsere Autoren haben diesmal ausgiebig recherchiert und sich sehr mit „ihrem“ jeweiligen Fall befasst. Und wenn in den Texten eine Meinung geäußert wird, dann gibt diese allein die persönliche Haltung des jeweiligen Verfassers wider.
Bebildert wird diese Ausgabe mit Masken aus Pappmaché. Sie wurden mit viel Liebe von einigen Autoren der HAFTNOTIZEN und anderen Teilnehmern im Kunstprojekt STABIL der JVA Hahnöfersand angefertigt. Für ihre Masken ließen sich die Macher von steinernen
Fratzenköpfen, die bisweilen an den Fassaden von alten Häusern prangen, sowie von den Masken der Basler Fasnacht anregen. Nach alter Tradition sollen diese wiederum böse Geister fernhalten oder verspotten, die Dunkelheit des Winters vertreiben und mit ihrer lebendigen Farbigkeit das Gute und das Licht anziehen.
Hinweis: Der Klarname des Verfassers ist durch ein Pseudonym ersetzt.
Meinungsfreiheit
Wie immer ist uns Meinungsfreiheit sehr wichtig – deshalb äußert der jeweilige Verfasser seine ganz persönliche Meinung, die nicht unbedingt vom gesamten Team der Haftnotizen geteilt werden muss.
Schreibtrainerin: Tania Kibermanis
ÜBER DAS BÖSE
Text von Double-G (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)
Werden Menschen böse geboren? Oder was verleitet sie dazu, böse zu werden oder Böses zu tun? Was geht in ihnen vor? Und warum interessieren sich so viele Menschen dafür und befassen sich damit, was eigentlich das Böse ist und wie es dazu kommt? Ich glaube, jeder Mensch ist unterschiedlich und ein eigener Charakter. Meiner Meinung nach sind viele Menschen von ihrer Kindheit sehr geprägt: Gewalt, keine Aufmerksamkeit, das macht viel aus. Viele haben keine Scheu, Gewalt bei anderen einzusetzen, oder wollen ihren Frust und Druck rauslassen. Viele Gewaltverbrecher sind auch gerade gegenüber Frauen sehr böse und gewalttätig. Aber es gibt natürlich mehr als genug Menschen mit einer schlechten Kindheit, die nicht kriminell werden und ihr Leben lang unauffällig bleiben.
Ich glaube, in jedem von uns gibt es böse Veranlagungen, die mit bestimmten schlechten Erlebnissen und Erfahrungen erweckt werden können. Dass jemand böse geboren wird, glaube ich nicht, denn es ist von der Kindheit abhängig – wenn man sein Kind mit Gewalt erzieht, wird es dadurch geprägt, und es fängt schon in jungen Jahren an, andere Kinder in der Schule zu schlagen und zu unterdrücken und damit nach Aufmerksamkeit zu suchen. Auch Menschen, die als Kind selbst gemobbt oder psychisch unterdrückt wurden, können irgendwann ihren aufgestauten Frust an anderen auslassen und ihnen genauso schaden wollen, wie ihnen selbst geschadet wurde. Bei vielen Mördern zeigt sich bei Berichten über ihre Kindheit, dass sie eine sehr schlechte Erziehung hatten, oft vernachlässigt oder missbraucht wurden – und dass das großen Einfluss auf ihren Charakter hatte. Trotz allem hat man es letztendlich aber immer selbst in der Hand, ob man sich dafür entscheidet, gewalttätig zu werden oder nicht.
Warum es viele Leute interessiert, warum Menschen böse sind und wie sie es werden? Man fragt sich eben, was einen Menschen zu einem Gewaltverbrechen verleitet und was davor und währenddessen in ihm vorgeht. Man will es nachvollziehen können, sich für einen Moment in deren Lage hineinversetzen und herausfinden, ob diese Menschen noch selbst merken, dass das, was sie machen, falsch ist. Manchmal kann man einen Gewaltverbrecher auch gar nicht auf den ersten Blick erkennen. Zum Beispiel sind Psychopathen Menschen mit vielen verschiedenen Gesichtern – sie können zugleich sehr intelligent und der netteste Mensch der Welt sein, und von einer Sekunde zur anderen können sie einen Menschen ohne Schuldgefühle umbringen. Einige haben sogar eine eigene Familie und Kinder, und trotzdem können sie einem fremden Kind schaden, ohne zur Besinnung zu kommen. Das Böse kann von einem Moment auf den anderen entfacht werden und deshalb gibt es keine feste Regel, warum ein Mensch böse wird. Auch der ruhigste, netteste Mensch kann plötzlich böse handeln (oder so, wie er es ansonsten niemals tun würde und von sich selbst auch gar nicht gedacht hätte, dass er dazu fähig wäre), wenn er in eine bestimmte Situation gerät und in einem schlechten Moment die Kontrolle verliert.
Deshalb beschäftigen sich so viele Menschen mit diesem Thema, weil es so vielfältig ist und es auf dieser Welt immer Böses geben wird. Auch die Fakten und die jeweilige Ermittlungsarbeit sind interessant. Und man will ja letztendlich auch, dass die Bösen gefasst werden.
DIE MORDE VON HINTERKAIFECK
Ein Text von 721 (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)
Am 31. März 1922 wurde die gesamte Familie Gruber und ihre Magd auf ihrem Einödhof Hinterkaifeck ermordet. Aufgrund der außergewöhnlichen Umstände und des immer noch ungelösten Verbrechens ist dieser Fall heute immer noch von großem Interesse.
Die Opfer
Getötet wurden das Ehepaar Andreas (72) und Cäzilia (64) Gruber, ihre Tochter Viktoria Gabriel (35) und deren Kinder Cäzilia (7) und Josef (2). Dazu die Magd Maria Baumgartner (45).
Die Geschehnisse vor der Tat
Schon Mitte März 1922 häuften sich merkwürdige Vorkommnisse in und um Hinterkaifeck. In der Nähe des Hofes wurde eine Münchener Zeitung gefunden, doch diese war in der Gegend nicht verbreitet. Andreas Gruber glaubte zuerst, dass der Postbote die Zeitung verloren habe, was aber nicht sein konnte, da niemand in der Umgebung diese Zeitung abonniert hatte. Zudem entdeckte Andreas Gruber einige Tage vor der Tatnacht Spuren im Schnee, die zum Hof führten – aber nicht wieder davon weg, was bedeuten musste, dass sich die Person noch auf dem Hof aufhielt. Davon abgesehen fehlte der Familie plötzlich ein Haustürschlüssel. Am Maschinenhaus wurde das Schloss aufgebrochen und ein Rind losgebunden. Und angeblich hatten die Hinterkaifecker beobachtet, dass ein Mann mit Schnauzbart das Anwesen ausspioniert hatte.
Tatnacht 31.März/1. April 1922
Der 31. März 1922 war ein Freitag. Die neue Magd Maria Baumgartner war erst nachmittags auf dem Hof angekommen. Aufgrund der Auffindesituation der Leichen wird vermutet, dass die Morde in dieser Reihenfolge begangen wurden: Zuerst Viktoria Gabriel, danach Cäzilia und Andreas Gruber, dann die siebenjährige Cäzilia. Alle wurden mit einer Reuthaue (einer Art Hacke, Anm. d. Red.) erschlagen, die zum Inventar des Hofs gehörte. Die Schreie aus der Scheune waren im gesamten Haus nicht zu hören, daher fragt man sich, wieso einer nach dem anderen dort hinging. Der oder die Täter müssen nach der Tat von der Scheune durch den Stall in den Wohnbereich eingedrungen sein, wo mit derselben Waffe zuerst die neue Magd Maria Baumgartner und dann der zweijährige Josef in seinem Stubenwagen getötet wurden.
Entdeckung der Tat
Zwischen der Tat und ihrer Entdeckung waren vier Tage vergangen. In dieser Zeit muss der Täter entweder dort geblieben sein, oder er kehrte mindestens einmal wieder zurück, da das Vieh versorgt wurde. Außerdem war der Brotvorrat aufgebraucht und das Fleisch in der Vorratskammer frisch angeschnitten. Zahlreiche Leute kamen vor der Entdeckung der Tat auf den Hof, trafen dort aber niemanden an – was zwar Verdacht erregte, aber wohl nicht für großes Unbehagen sorgte. Der Monteur Albert Hofner kam am 4. April wie vereinbart, um den Motor der Futterschneidemaschine zu reparieren.
Außer dem Brüllen der Kühe und dem Bellen des Hundes hörte er auf dem Hof nichts. Nach der Reparatur ging Hofner auf dem Hof herum und bemerkte das offene Scheunentor. Er schaute, ging aber nicht hinein, weshalb er auch die Leichen nicht fand. Der Ortsvorsteher Lorenz Schlittenbauer kam danach mit zwei Männern auf den Hof und entdeckte die Leichen. Als Mordmotiv wurde zuerst Raubmord vermutet, jedoch war so viel Geld zurückgelassen worden, dass die Morde doch eher als Beziehungstat angesehen wurden.
Tatverdächtige
Es gab insgesamt ca. hundert Tatverdächtige, von denen jedoch kein einziger angeklagt werden konnte. Was auch an der peinlichen Polizeiarbeit vor Ort lag, denn in der damaligen Zeit galt die Forensik meist nur als Humbug. Bei sechs Mordopfern wurden insgesamt nur 5-7 Fotos vom gesamten Tatort gemacht, und darüber hinaus wurde das halbe Dorf an den Tatort gelassen – überall wurde herumgetrampelt, alles wurde angefasst oder gar umgestellt.
Als einer der Haupttatverdächtigen galt Karl Gabriel, der angeblich im Krieg gefallene Mann von Viktoria Gabriel, weil sein Grab zum Zeitpunkt der Morde noch nicht gefunden war, und einige Menschen der Meinung waren, dass sie ihn vor der Tat in der Nähe des Hofes gesehen haben wollen. Dann ging man von zwei Tätern aus, da im Heu im Stall zwei Kuhlen entdeckt wurden. Möglicherweise hätten es auch die zwei erwachsenen Söhne des Ortsvorstehers Lorenz Schlittenbauer gewesen sein können.
Mein Tatverdächtiger
Kurz nachdem Lorenz Schlittenbauer Witwer wurde, fing er eine „Freundschaft Plus“ mit Viktoria Gabriel an. Gerüchten zufolge sollte Viktorias Sohn Josef aus einem Inzestverhältnis mit ihrem eigenen Vater stammen – aber genauso gut war es auch möglich, dass er das Kind von Lorenz Schlittenbauer war. Anhand ihrer Verletzungen und Würgemale wurde klar, dass Viktoria in einem Gefühlsaffekt getötet wurde und die weiteren Morde nur der Vertuschung dienten. Schlittenbauer hatte von Andreas Gruber nie die Erlaubnis erhalten, Viktoria zu heiraten, und wenn Josef tatsächlich nicht sein, sondern das Kind von Gruber war, dann würde es auch den Mord an dem Kind erklären, das ja eindeutig kein Tatzeuge war.
AL CAPONE
Ein Text von Shiqptar und St. Tropez (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)
Alphonse Gabriel Capone, „Al Capone“ genannt, war der wahrscheinlich berühmteste Mafiaboss der Welt. Wir haben eine fünfstündige Doku im ZDF über ihn gesehen – daher kam unser Interesse, einen Text über ihn zu schreiben und unser Wissen mit euch zu teilen.
Al Capone wurde am 17. Januar 1899 in Brooklyn/New York geboren. Die Schule brach er als Jugendlicher nach der achten Klasse ab und arbeitete als Verkäufer, Kegeljunge und Barkeeper. Im Heranwachsendenalter schlug er sich als Kleinkrimineller durch und schloss sich den „Brooklyn Rippers“ und der „Five Points Gang“ an. Mit fünfzehn lernte er den Gangster Frankie Yale kennen, der sein großes Vorbild wurde – von ihm lernte er vieles über Schutzgelderpressung, Wucherzinsen und mehr, aber auch, dass ihn Brutalität und Rücksichtslosigkeit allein niemals zum erfolgreichen „Geschäftsmann“ machen würden. Capone wurde auf der Straße immer bekannter. Aufgrund seiner großen Narbe im Gesicht nannte man ihn „Scarface“. Im Sommer 1917 hatte er mit der Schwester des Gangsters Frank Gallucio geflirtet, woraufhin dieser in betrunkenem Zustand Capone ein Messer übers Gesicht gezogen hatte. Al Capone hatte allerdings nie an Rache gedacht, da er davon aus-gegangen war, dass Gallucio seine Schwester nur beschützen wollte. Später beschäftigte Capone ihn sogar als seinen Bodyguard.
Als ein Bekannter in der Kneipe von Frankie Yale 1500,- Dollar durch Falschspiel gewann, nahm ihm Capone das Geld am Ausgang wieder ab und erschoss ihn. Das war Capones erster Mord, und da sich dafür keine Zeugen finden ließen, konnte man ihm – wie in späteren Fällen auch – nichts nachweisen. Schließlich verließ Capone New York, weil er zuvor Arthur Finnegan angegriffen hatte, der gern Italiener beschimpfte. Capone hatte ihn dabei so sehr verletzt, dass Finnegan fünf Wochen im Krankenhaus verbringen musste. Die „White Handers“, Finnegans Gang, suchten nach Capone, der wegen seiner Gesichtsnarbe Gefahr lief, schnell erkannt zu werden. Daher forderte Frankie Yale Capone auf, Ende 1919 nach Chicago zu gehen und zu seinem Freund Johnny Torrio zu ziehen.
In Chicago erlangte Al Capone innerhalb kurzer Zeit relativ viel Macht und Einfluss. Entscheidend dafür waren die Übernahme des Gebiets von Johnny Torrio und Capones geschäftliche Beziehungen mit der Unterwelt. Als 1920 in den USA ein Alkoholverbot ausgesprochen wurde, um die Kriminalitätsrate zu senken, geschah genau das Gegenteil: Das organisierte Verbrechen blühte auf – nicht nur in Chicago. Denn das Verbot ermöglichte es, vielfach höhere Preise für Alkohol zu verlangen, der vor allem in illegalen Kneipen (sogenannten „speakeasies“) verkauft wurde. Dass Capone den Wunsch der Bevölkerung nach Alkohol erfüllte, machte ihn schnell populär.
Die Straßen Chicagos wurden immer gefährlicher, da es für jeden Gangster normal wurde, eine Waffe bei sich zu tragen. Am 16. Mai 1929 wurde Capone zum ersten Mal verhaftet und zu einem Jahr Haft verurteilt. Mit seinen einflussreichen kriminellen Freunden führte er seine Geschäfte aus dem Gefängnis bis zur Entlassung weiter. Doch Capone geriet auch draußen immer weiter in Bedrängnis, da man ihn lieber weiterhin im Gefängnis sehen wollte. Durch sein riesiges Glücksspielimperium, das er sich in Chicago aufgebaut hatte, kam ihm die Steuerbehörde IRS immer weiter auf die Schliche. Am 17. April 1930 fand eine Besprechung zwischen Capone, seinem
Anwalt und dem IRS statt. Dabei kam es zu einem folgenschweren Missverständnis: Das Gespräch wurde protokolliert und Capone mitgeteilt, dass alle seine Aussagen für weitere Untersuchungen verwendet würden. Diese lieferten die Grundlage für ein sogenanntes „Netto-Wert-Verfahren“, in dem festgestellt wurde, dass, wenn jemand beispielsweise Eigentum besitzt, das er sich bei seinem Einkommen gar nicht leisten könnte, also zusätzliches Einkommen vorhanden sein muss.
Am 24. April 1930 veröffentlichte die Chicagoer Polizei eine Liste mit 28 Staatsfeinden („public enemies“), die von Al Capone angeführt wurde. Capone wurde daraufhin der Prozess gemacht, und am 24. Oktober 1931 wurde das Strafmaß verkündet: Wegen Steuerhinterziehung in Zusammenhang mit Geldwäsche wurde Al Capone zusätzlich zu den Gerichtskosten und 50.000 Dollar Geldstrafe zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt.
Aufgrund guter Führung, und weil er es geschafft hatte, seine Geschäfte im Knast unbemerkt weiter zu betreiben, wurde er am 6. Januar 1939 vorzeitig entlassen. Doch bereits vor seinem Haftantritt hatte er sich mit Syphilis infiziert. Während der Haft wurde sein Gesundheitszustand zunehmend schlechter, und so lebte er die letzten Jahre zurückgezogen mit seiner Familie in Florida. 1947 erlitt er einen Schlaganfall und starb am 25. Januar 1947 im Alter von 48 Jahren an einer Lungenentzündung.
DIE GESCHICHTE VON TED BUNDY
Ein Text von Bojack und Ousman (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)
Ted Bundy war einer der schlimmsten und brutalsten Serienmörder der Welt. Die Anzahl seiner Opfer ist bis heute unbekannt und geht schätzungsweise ins Hundertfache.
Seine Mordserie zog sich durch etliche US-Staaten. Er versetzte zu seiner Zeit die Staaten, in denen er mordete, in Angst und Schrecken. Er war durch seine brutale Vorgehensweise bei seinen Taten bekannt. Das Vorgehen Ted Bundys wies in den meisten Fällen dasselbe Muster auf: Er schlüpfte in seine Rolle und gab sich als hilfsbedürftiger, verletzter junger Mann mit Krücke und Bandage aus, der Hilfsbedürftigkeit beim Einladen seiner Bücher in seinen VW Käfer vorspielte. Die Hilfsbereitschaft seiner Opfer nutzte Ted Bundy eiskalt aus, entführte und misshandelte sie anschließend, bis er sie schließlich tötete. Nur durch einen Zufall wurde er wegen Fahrens mit erhöhter Geschwindigkeit schließlich von der Polizei entdeckt.
Ted Bundy erblickte das Licht der Welt 1946 in Vermont/USA. Den ersten Teil seiner Kindheit verbrachte er in Philadelphia bei seinen Großeltern, die sich als seine Eltern ausgaben, damit er nicht als „Bastard“ betitelt wurde. So wuchs Ted Bundy in dem Glauben auf, dass seine Großeltern seine Eltern seien. Erst im Lauf der Jahre fand er seine wahre Identität heraus. 1950 zog er mit seiner leiblichen Mutter nach Tacoma zu Verwandten. Dort lernte seine Mutter John Bundy kennen, der ihn adoptierte und mit Teds Mutter vier weitere Kinder zeugte. Doch Ted Bundy freundete sich weder mit seinem Stiefvater noch mit der neuen Familiensituation an.
Ted Bundy war schon im Alter von drei Jahren verhaltensauffällig und blieb das auch bis zum Ende seiner Highschoolzeit. Dort fiel er durch sein temperamentvolles Verhalten, seine abgeschottete Art und dadurch auf, dass er kein Interesse daran zeigte, mit Mädchen in Kontakt zu treten. Zudem begann er, kleinkriminelle Delikte zu begehen. In Tacoma legte er einen guten Highschool-Abschluss ab. Danach fing er an zu studieren und wechselte häufig seine Studienfächer. Letztendlich schloss Ted Bundy ein Psychologiestudium ab. Anschließend fing er noch an, ein paar Semester Jura zu studieren. Außerdem engagierte er sich in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, beispielsweise in der Politik.
Es ist unbekannt, wann genau Ted Bundys Mordserie begann. Die am weitesten zurückliegende Tat, die er gestand, war 1973 in Washington. Durch sein gutes Aussehen, seinen Charme und seine Redegewandtheit gelang es ihm immer wieder, junge Frauen zu entführen, die er anschließend bewusstlos schlug, vergewaltigte und dann tötete. Nachdem Ted Bundy seine krankhafte Lust gestillt hatte, zerstückelte er die Leichen und transportierte sie über große Entfernungen, um seine Spuren zu verwischen. Die Vermisstenfälle häuften sich, jedoch ordnete die Polizei sie nicht einem Serientäter zu. Doch die Gräueltaten blieben nicht unbeobachtet – so meldeten sich immer wieder verschiedene Augenzeugen bei der Polizei und meldeten zu verschiedenen Vermisstenfällen immer wieder ähnliche Geschehnisse: Ein offenbar verletzter, um Hilfe bittender Mann mit einem VW Käfer fragte junge Frauen, ob sie ihm beim Tragen seiner Bücher behilflich sein könnten. Die Medien berichteten nun von einem Serienkiller, doch von dieser Annahme nahm die Polizei vorerst Abstand – bis wieder zwei junge Frauen verschwanden, und sich Augenzeugen an einen angeblich verletzten, jungen Mann erinnerten, der gezielt junge Frauen angesprochen und sich als „Ted“ vorgestellt hatte. Nun hatte die Polizei einen Namen, ein Tatmuster, die Beschreibung des Fahrzeugs, und konnte aufgrund der Beschreibung des Täters ein Phantombild erstellen. Ted Bundys damalige Freundin meldete sich daraufhin bei der Polizei und gab an, dass ihr Freund für die Mordserie verantwortlich war. Die Polizei hakte ihren Hinweis allerdings als „abwegig“ ab.
1974 wurden die ersten Leichen gefunden. In den folgenden Jahren wurden immer wieder Leichenteile geborgen. Ted Bundy setzte seine Mordserie nun in Utah und Colorado fort. Zum ersten Mal wurde er per Zufall verhaftet: In Utah hielt ihn 1975
eine Polizeistreife wegen erhöhter Geschwindigkeit an. Bei der Kontrolle seines VW Käfers fanden die Beamten Einbruchswerkzeug und verhafteten ihn deswegen. Die Schlinge um Ted Bundys Hals zog sich weiter zu, als die Ermittler eines seiner Opfer zur Gegenüberstellung vorluden, das sich gerade noch vor einer Entführung retten konnte.
Als Ted Bundys Kaution jedoch nach sieben Wochen Haft von 100.000 auf 15.000 Dollar herabgesetzt wurde, zahlte seine Familie diese und Ted Bundy war wieder ein freier Mann. Doch der anstehende Strafprozess endete mit einer Verurteilung: Ted Bundy erhielt allerdings nur 15 Jahre Haft (mit erstmaliger Bewährungsanhörung bereits nach drei Jahren), weil ihm nur eine versuchte Entführung und versuchter Mord nachgewiesen werden konnten. Während der Verbüßung seiner Haftstrafe versuchten die Ermittlungsbehörden, ihm weitere seiner Gräueltaten nachzuweisen. Als es ihnen schließlich auch gelang, wurde ein neues Verfahren wegen Mordes gegen Ted Bundy eröffnet. Da er glaubte, aus seinem Jurastudium genügend Kenntnisse erworben zu haben, vertrat er sich im Prozess selbst. Daher wurde es ihm auch gestattet, den Gerichtssaal ohne Fesseln zu betreten und in den Pausen die juristische Bibliothek des Gebäudes aufzusuchen. Dort ergriff er in einem passenden Moment die Flucht. Doch nach ein paar Wochen wurde Ted Bundy erneut von einer Polizeikontrolle festgenommen. Die nächste Flucht gelang ihm dann erneut aus dem Gefängnis. In Florida tötete er daraufhin mindestens drei Frauen und verbreitete in dem Bundesstaat Angst und Schrecken – bis er erneut gefasst und anschließend durch eine erdrückende Beweislast wegen dreifachen Mordes an den Frauen in Florida zum Tode verurteilt wurde. Dazu gestand er 30 weitere Morde in sieben US-Staaten.
Bis heute sind noch Dutzende seiner mutmaßlichen Opfer nicht gefunden worden, oder konnten aufgrund seiner abscheulichen Brutalität nicht identifiziert werden. Selbst seine letzte Anwältin nannte ihn „die Verkörperung des herzlosen Bösen“. Seine Hinrichtung zögerte Ted Bundy so lange wie möglich hinaus, bis er 1989 auf dem elektrischen Stuhl starb. Die Bevölkerung wurde zuvor angewiesen, in dieser Zeit keine Elektrogeräte laufen zu lassen, damit die Stromzufuhr nicht beeinträchtigt wird.
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DIE HAFTNOTIZEN
Kolumne mit kreativen Texten aus der JVA Hahnöfersand
Die Autoren sind allesamt Jugendliche und junge Erwachsene aus der Justizvollzugsanstalt Hahnöfersand. Sie nehmen an der dortigen Gruppe für kreatives Schreiben teil, mit der fachlichen Begleitung der Autorin und Schreibtrainerin Tania Kibermanis.









