Haftnotizen Ausgabe 14

Übersicht

In unserer neuesten Ausgabe der Haftnotizen haben wir uns mit dem Leben und tragischen Ende des Fußballstars Diego Maradona befasst, darüber nachgedacht, wie jeder von uns ein bisschen umweltbewusster leben kann und über das bedingungslose Grundeinkommen diskutiert.

Hinweis: Die Klarnamen der Verfasser sind durch Pseudonyme ersetzt.

Meinungsfreiheit

Wie immer ist uns Meinungsfreiheit sehr wichtig – deshalb äußert der jeweilige Verfasser seine ganz persönliche Meinung, die nicht unbedingt vom gesamten Team der Haftnotizen geteilt werden muss.

Schreibtrainerin: Tania Kibermanis


Diego Maradona, die Fußball-Legende - wie er zuletzt gelebt hat

Diego Maradona war eine Fußball-Legende – in Argentinien geboren, in armen Verhältnissen aufgewachsen, erst auf den Straßen und dann in kleinen Clubs Fußball gespielt, von großen Scouts entdeckt und schnell hochgearbeitet, bis er dann eines Tages bei den größten Clubs wie dem FC Barcelona spielte. Und es dauert nicht lange, da gewann er etliche Titel, unter anderem mit seinem Verein SSC Napoli die italienische Meisterschaft. 1986 gewann er mit seiner Heimat-Mannschaft Argentinien bei der WM in Mexiko den Weltmeistertitel und zeigte der ganzen Welt, was für ein Fußballer er war.  Maradona wurde zum besten Fußballer aller Zeiten gekürt, er war eine Maschine.        

Nur wie er zuletzt gelebt hat und wie es zum Tod der Legende Maradona kam, ist immer noch nicht wirklich geklärt. Die Welt war erschüttert, da er nach einer Gehirn-Operation ums Leben kam. Die Umstände nach seiner OP bleiben verwirrend, da Maradona statt in einer Klinik in einer Villa untergebracht wurde, die kaum geeignet war – ohne ärztliche Versorgung, ohne ärztliches Personal. Er wurde viel zu früh aus dem Krankenhaus in die Obhut seiner Psychologin und seines Leibarztes entlassen – die beide stehen inzwischen im Focus der Polizei. Sie sind verdächtig, Diego Maradona absichtlich zu früh aus dem Krankenhaus geholt, ihn in eine nicht geeignete Unterbringung gebracht und sich nicht um ihn gekümmert zu haben. Maradonas Manager hatte sich alle Rechte an der Marke „Diego Maradona“ sichern lassen, die nach dem Tod von Diego komplett auf ihn übergehen. Das komplette Geld aus dem Verkauf von Fanartikeln steht ihm jetzt zu. Es sieht also so aus, als ob das alles geplant war: Diego hatte sich vor seinem Tod in der Öffentlichkeit seltsam verhalten, sich von Freunden und seiner Familie distanziert. So kannte man ihn nicht. Er wurde absichtlich manipuliert und von ihnen ferngehalten, heißt es von engen Freunden und seiner Familie. Es tauchten auch seltsame Chatprotokolle zwischen dem Leibarzt und der Psychologin auf, die sehr viele Fragen offenlassen, ob sie Maradona vielleicht absichtlich haben sterben lassen. Gegen beide wird jetzt ermittelt, da es nicht sein kann, dass jemand wie Maradona, der sehr viel Geld besaß und eine Legende war, so allein gelassen wurde, und kaum jemand versucht hatte, zu verhindern, dass ein Mensch nach einer schweren Kopfoperation in so eine Lage kommt. So etwas kann nicht aus Zufall passiert sein. Es sind viel zu viele Komplikationen passiert, Maradonas eigene Familie wusste nicht, wie es ihm geht und konnte auch keinen Kontakt mit ich aufnehmen, so dass er keinen bei sich hatte, als er gestorben ist. Er war komplett unter der Kontrolle seines Leibarztes und seiner Psychologin. Sie haben meiner Meinung nach alles geplant, da es nicht sein kann, dass so etwas einem so bekannten Menschen in der heutigen Zeit passiert – denn man weißt ja, dass Stars oder Leute, die Geld haben, eigentlich immer besonders gut behandelt werden. Ich hoffe, es wird alles aufgeklärt. Ruhe in Frieden, Diego Maradona.

(Verfasser: Double-G)


So kannst du deinen Alltag umweltbewusst(er) gestalten!

Eine Frage stellen sich die Menschen immer wieder in der heutigen Zeit, schon seit vielen Jahrzehnten- streng genommen schon seit Jahrhunderten, und eigentlich schon immer. Aber gerade in unseren Zeiten wird diese Frage umso wichtiger: Wie lebe ich umweltbewusst und im Frieden mit der Natur? Das ist keine so einfache Frage, denn was ist wirklich umsetzbar und verträglich für uns alle? Denn, ehrlich gesagt, würden die meisten Leute in unserer Gesellschaft – und dazu zähle ich mich natürlich auch – nicht auf so manchen Komfort verzichten, wie zum Beispiel Exportware oder Reisen. Aber vielleicht sind das „Wie“ und das Maß die Dinge, für die wir aufmerksamer sein sollten.

Ich werde mich hiermit dieser Frage stellen, und das nicht nur jetzt und auch nicht nur morgen, denn in unserer Gegenwart muss diese Frage für uns immer aktuell sein. Hier in der Haft ist das Grundlegendste für mich die Vermeidung von Verpackungsmüll. Was ich bekomme und wie es verpackt ist, ist meistens vorgegeben, nur wie viel ich davon konsumiere, kann ich selbst bestimmen – das heißt, mein Handlungsspielraum ist diesbezüglich begrenzt. Mir ist bewusst, dass auch die Möglichkeiten seitens der JVA beschränkt sind, denn manche Dinge müssen aus hygienischen und auch Sicherheitsgründen verpackt sein. Daher begrüße ich die Aktion der JVA, bei der sie Flyer aushängten, mit denen sie auf die „Plastikseuche“ aufmerksam machten, und darüber aufklärten und uns einige Möglichkeiten vorstellten, Plastik zu sparen und zu vermeiden.

Nun dazu ein kleiner Wegweiser meinerseits mit Tipps zum umweltbewusst(er)en Leben:

Einmal am Tag zu duschen (oder noch besser: Nicht jeden Tag) wird auch von Dermatologen empfohlen. Man kann sich auch frisch und sauber halten, ohne gleich den ganzen Körper zu duschen, wenn man sich wäscht.

Man kann auf viele unnötige und oft sogar schädliche Pflegeprodukte verzichten, die künstlich hergestellt und voller Chemie sind – die Natur gibt uns alles, was wir brauchen. Es gibt ein immer umfangreicher werdendes Angebot an Naturkosmetik, die genauso leicht anwendbar und ebenso wohlriechend ist. Und wenn sich die Naturkosmetik erstmal etabliert hat, dann sinken bestimmt auch die Preise (aber darauf achten, dass es auch wirklich Naturkosmetik ist, ansonsten bringt es nichts). Es wäre auch ein Anfang, erstmal auf Nachhaltigkeit zu achten, zum Beispiel keine Einweg-Wegwerfprodukte zu kaufen.

Man kann auch nachhaltige Textilien und Klamotten kaufen. Nicht zu viel kaufen und nicht zu schnell wegwerfen – und es muss auch nicht immer aus erster Hand sein, oder? Und achtet auf fair gehandelte Produkte!

Man sollte sein Ess – und Trinkverhalten regulieren und anpassen: Keine Völlerei – selbst zu kochen sollte der Standard sein, sowie auf naturbelassene Nahrungsmittel, Nachhaltigkeit und kurze Transportwege achten. An dieser Stelle weise ich nochmals auf fairen Handel hin – von der Rohstoffbeschaffung über die Verarbeitung bis zur Vergütung der Angestellten bei all diesen Prozessen. Das hat nicht alles direkt mit Umweltschutz zu tun, aber mit Menschlichkeit und Gerechtigkeit, was mindestens genauso wichtig ist.

Besonders zu erwähnen ist der Fleischkonsum – darum bekommt er einen eigenen Absatz: Für das Klima sollten/ müssen wir alle unseren Fleischkonsum reduzieren. Fleisch muss nicht jeden Tag sein – und schon gar nicht mehrmals täglich. Tierschutz spielt dabei eine sehr große Rolle, denn wenn ein Tier zum Verzehr für uns erlegt wird, soll das bewusst und mit Respekt und Verantwortung gegenüber der Würde des Tieres geschehen. Die Verantwortung dafür liegt nicht nur bei den Anbietern, sondern auch bei uns Konsumenten – wenn wir bereit sind, mehr für Fleisch zu bezahlen und weniger zu konsumieren (wenn also die Nachfrage sinkt), nimmt das Druck von den Herstellern und erleichtert es ihnen, verantwortungsvoll Tierhaltung und Fleischhandel zu betreiben, ohne die ständige Sorge vor Verlusten durch zu hohe Kosten und zu wenig Umsatz, sowie den ständigen Wettbewerb darum, wer das billigste Fleisch anbietet.

Man kann Verpackungsmüll reduzieren, indem man frische Lebensmittel einkauft und keine Plastiktüten verwendet. Wenn man abgepackte Lebensmittel kauft, sollte man darauf achten, dass die Verpackung recyclebar ist. Es gibt mittlerweile auch schon Läden, wo alles unverpackt angeboten wird, auch ziemlich preiswert, und man kann meines Wissens zwar nicht alles dort bekommen – aber es ist ein Anfang! Außerdem kann man inzwischen auch Dinge, die verpackt angeboten werden, auch unverpackt erhalten – in der Regel füllt beispielsweise der Kioskbesitzer einen Coffee-to-go auch in deine eigens mitgebrachte Thermoskanne, wenn du ihn nett fragst.

Man sollte auf seine Fortbewegungsmittel achten. Man muss nicht für jede Besorgung nebenan das Auto nehmen – auch wenn es ein Elektrofahrzeug sein sollte, denn zu viel Stromverbrauch ist auch nicht gut. Wer sich ein Auto leisten kann, kann sich in der Regel auch ein Fahrrad leisten, und zu Fuß zu gehen, ist sowieso am besten – gesund für Körper, Geist und Seele. Und zur Not können es auch mal die unbeliebten, öffentlichen Verkehrsmittel wie Bus und Bahn sein, denn die sparen CO2, und manche werden mittlerweile sogar elektrisch betrieben – und wenn man zusammen mit anderen Menschen fährt, spart man auch noch kostbaren Strom.

(Verfasser: Zizou Abu D.)


Das bedingungslose Grundeinkommen

Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein Konzept, nach dem jeder Bürger – unabhängig von seiner wirtschaftlichen Lage – eine gesetzlich festgelegte und für jeden gleiche Summe bekäme, ohne dafür eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Man bekäme also „Para“ (Geld) vom Staat ohne Papierkram, zum Beispiel 1000,- Euro pro Monat auf Staat sein Nacken. Es gäbe damit weniger Armut, und die Leute haben viel mehr Freiheiten als mit Hartz 4. Aber es gäbe damit wahrscheinlich einen Haufen Jobs, die niemand mehr machen will. Und damit mehr Schmutz und eine größere Umweltgefährdung, weil weniger Leute als Reinigungskräfte arbeiten würden.

Das bedingungslose Grundeinkommen würde mit der Einkommenssteuer finanziert werden. Dafür müsste man das ganze Steuersystem neu organisieren. Und viel Bürokratie abschaffen, denn die bisherigen Transferleistungen würden durch das bedingungslose Grundeinkommen ersetzt: Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Rente, Ausbildungsförderung, Kindergeld und andere Leistungen würden schrittweise wegfallen.

In Deutschland wird eine Zahlung von 1500,- pro Monat vorgeschlagen. Wer noch mehr Geld haben möchte, könnte sich dies immer noch dazuverdienen.

Contra:

  • Befördert Faulheit – es wäre ein Freibrief, nicht mehr selbst für den eigenen Unterhalt zu sorgen
  • Hartz IV genügt (und z.B. die Tafel oder andere Einrichtungen, die Essen verteilen)
  • Es gibt genug Arbeit, die dann niemand mehr machen würde, viel weniger Leute würden arbeiten
  • Die, die arbeiten, bereichern nur sich selbst, aber nicht mehr die Gesellschaft
  • Die Kriminalitätsrate würde steigen, weil Menschen immer mehr haben wollen, ohne zu arbeiten
  • Eine Reichensteuer wäre besser (denn auch Reiche würden das bedingungslose Grundeinkommen bekommen), Reiche sollten lieber für Hilfsorganisationen spenden

Pro:

  • Menschenwürde – die Existenz jedes Menschen ist gesichert, ohne dass er Jobs unter schlechten Bedingungen annehmen muss
  • Man hat die Freiheit, sich ohne Geldnot selbst zu verwirklichen
  • Es ist gerecht, weil alle das gleiche bekommen und die Schere zwischen Arm und Reich nicht mehr so groß wäre
  • Geflüchtete hätten eine bessere Situation, wenn sie noch keine Arbeitsgenehmigung haben
  • Es wäre weniger Kontrolle nötig, weil das Grundeinkommen nicht an Bedingungen geknüpft ist
  • Es ist umweltfreundlich, weil weniger Papierkram entsteht

(Verfasser: Chiko, Pro & Contra zusammen mit Zizou Abu D.)


Feedback

Die Verfasser der Artikel freuen sich sehr über Feedback zu ihren Texten. Schreibt uns gerne Lob und Kritik an jugendinfo@bsfb.hamburg.de und wir leiten eure Rückmeldungen (anonymisiert) weiter.


DIE HAFTNOTIZEN

Kolumne mit kreativen Texten aus der JVA Hahnöfersand

Die Autoren sind allesamt Jugendliche und junge Erwachsene aus der Justizvollzugsanstalt Hahnöfersand. Sie nehmen an der dortigen Gruppe für kreatives Schreiben teil, mit der fachlichen Begleitung der Autorin und Schreibtrainerin Tania Kibermanis.

Zur Jugendredaktion

© 2
Weitere Haftnotizen