Haftnotizen Ausgabe 4

In der 4. Ausgabe von HAFTNOTIZEN haben wir fünf verschiedene Artikel:

  • Wir haben eine Mindmap erstellt zu den Präsidentschaftswahlen in den USA.
  • Einen Bericht darüber, wie das Leben eines (angehenden) Profisportlers aussieht.
  • Außerdem eine traurige Geschichte über einen kleinen Affen im Zoo – aber mit Happy End.
  • Des Weiteren gibt es einen Bericht über die Geschichte des Tattoos und seine Bedeutungen.
  • Und zuletzt haben wir wieder einmal eine Reisegeschichte für euch.

Hinweis: Die Klarnamen der Verfasser sind durch Pseudonyme ersetzt.

Meinungsfreiheit

Wie immer ist uns Meinungsfreiheit sehr wichtig – deshalb äußert der jeweilige Verfasser seine ganz persönliche Meinung, die nicht unbedingt vom gesamten Team der Haftnotizen geteilt werden muss.

Schreibtrainerin: Tania Kibermanis


Zur Präsidentschaftswahl 2020 in den USA

Text von Adi und Double GG (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)

Wir haben uns entschieden, unsere Gedanken – und Schlagzeilen, die wir zu den USWahlen mitbekommen haben – in einer Mindmap in kurzen Stichworten übersichtlich darzustellen. Diese Wahlen waren ja besonders interessant, weil so viele Wähler wegen Corona ihre Stimmen per Post eingereicht haben und dies die Auszählung verzögert hat. Das Thema war dazu auch wochenlang in den Medien, so dass jeder etwas davon mitbekommen hat.

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Das Leben eines (angehenden) Profisportlers

Text von St. Pauli (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)

Es begann alles in der Schule.

Ich habe mich für Handball interessiert, und dort gab es Handball als Kurs. Ich hatte da oft teilgenommen und wollte mit dem Sport gerne weiter machen und es durchziehen, weil es mir viel Spaß gemacht hat. Ich war damals 7 Jahre alt, als ich angefangen hatte. Mir hat sehr viel Spaß gemacht, dass ich mich so auspowern konnte, und der Ball dazu war einfach gut. Mit dem Team zusammen zu spielen und auch oft zusammen zu leben und gemeinsam Spiele zu gewinnen, zusammen auch mal zu verlieren – der Zusammenhalt als Team war schön. Und dass ich in dem Sport sehr gut war – von Anfang an. Meine Eltern meldeten mich privat bei einem Sportverein an, damit konnte ich meine Freizeit gestalten. Es hat sich für mich zu einem sehr großen Hobby entwickelt, da ich sehr gut war in dem, was ich dort geleistet habe. Ich konnte gut mit dem Ball umgehen. Ich habe sehr oft Lob bekommen, da ich der Beste der Mannschaft war und mein Team mitziehen konnte.

Ich habe mit 14 Jahren angefangen, in der U17 Bundesliga zu spielen. Schon mit vierzehn war ich so gut, dass ich dort sehr gut mithalten und mich beim Training mit den Älteren weiter verbessern konnte. Mit 15 Jahren war ich so gut, dass ich mehrfach zum deutschen National-Kader eingeladen wurde. Ich war richtig stolz auf mich und meine Familie. Es war auch ein schönes Gefühl, da es eine Antwort auf meine Fragen war: Ob es sich lohnt, so viel zu riskieren für den Sport. Und da ich oft eingeladen wurde, hat es mir gezeigt, dass es sich gelohnt hat. Und dann war mein Hobby für mich nicht mehr nur Hobby, sondern auch meine Zukunft. Es hat mein Leben komplett im Griff gehabt, denn ich hatte kaum noch Freizeit – nur noch Schule, danach immer Sport. Es war so, dass ich in der Woche 4-5 Mal trainierte und am Wochenende oft Spiele oder Turniere hatte, so dass mein Leben nur noch aus Schule und Sport bestand. Ich hatte ganz wenig Zeit für meine Familie und war oft weg von zuhause: mal mit der Jugendnationalmannschaft in Stuttgart, dann wurde ich auch noch von der türkischen Nationalmannschaft nach Istanbul eingeladen und war auch noch mal dort, um mit der Mannschaft zu trainieren. Die türkische Mannschaft wollte mich genauso gern als Spieler haben wie die deutsche Mannschaft. Ich hatte damals von der Türkei auch ein Angebot bekommen für mehrere Jahre. Ich hätte da gutes Geld verdient, das ein erwachsener Mensch kaum verdient hätte – und ich die Möglichkeit hatte, das mit 16, 17 Jahren zu haben. Es war aber auch schwer, alles auf einmal hinzukriegen. Ich hatte wegen meines Sports auch leider ungewollt geringere Leistungen in der Schule erbracht. Und habe dann mit 18 Jahren gemerkt, dass man sich nicht nur auf seinen Sport verlassen sollte, da ich damals einen schweren Unfall hatte und von einem auf den anderen Moment war plötzlich alles aus. Es war schon schwer zu akzeptieren, dass Schluss war und ich aufhören musste, obwohl ich so viele Jahre und so viel Kraft in den Sport gesteckt hatte. Es hat mich auch
runtergezogen, und ich bin ein bisschen von der Bahn abgerutscht.

Ich glaube schon, dass mein Leben anders wäre, wenn ich den Unfall nicht gehabt hätte. Ich wäre vielleicht nicht von der Bahn abgekommen und hätte beim Sport noch mehr erreichen können. Ich vermisse meinen Sport, da er mir gutgetan hat, ich mich da auspowern konnte und viel Spaß hatte. Das war auch wie eine zweite Familie für mich, da ich jeden Tag mit den
Teamkollegen verbracht habe und mit ihnen ja auch aufgewachsen bin.


Im Zoo

Text von Cherik (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)

Die Paviane schreien am Tag immer. Der kleine Schimpanse ist mit den Pavianen im Gehege eingesperrt. Warum ist der kleine Schimpanse dort? Er hatte bei einer Menschenfamilie gelebt, aber er hat immer sehr viel kaputtgemacht – viele Sachen, die Möbel zum Beispiel und die Couch. Deswegen hat ihn die Polizei der Familie weggenommen und in den Zoo gebracht. Es war schon sehr spät am Abend, und es musste schnell gehen, deshalb wurde der kleine Schimpanse zu den Pavianen gebracht. Es sind sehr viele Paviane. Um den Schimpansen hat sich dann niemand mehr gekümmert, und er wurde dort im Gehege vergessen. Doch der Papagei hat den kleinen Schimpansen beobachtet, vom Baum aus. Er war Zeuge, als der kleine Schimpanse an diesem Abend gebracht wurde. Und er hat gleich so ein Gefühl gehabt: Dem kleinen Schimpansen geht es nicht gut. Der Papagei gehört der Chefin des Tierparks. Und er kann sprechen. Der Papagei fragt den kleinen Schimpansen: „Willst du mit mir reden?“ Und der kleine Schimpanse freut sich und antwortet: „Ja, gerne.“

Wenn es dunkel wird, hat der kleine Schimpanse Angst und versteckt sich. Die Paviane suchen und finden ihn. Sie wollen mit ihm spielen. Aber der kleine Schimpanse will lieber alleine sein. Er will spielen – aber nicht mit gefährlichen Tieren. Weil er weiß: Sie wollen ihn ärgern oder ihm weh tun. Am Tag kommt der Papagei zu ihm zu Besuch. „Ich sehe dich jeden Tag“, sagt er. „Ich weiß alles über dich. Wie kann ich dir helfen?“ Und der Schimpanse erzählt ihm seine Lebensgeschichte. Das Gespräch mit dem Papagei hilft dem kleinen Schimpansen, sich zu beruhigen. Er will etwas ändern. Er will in ein anderes Gehege. Aber dabei kann ihm der Papagei nicht helfen. Nur die Chefin des Tierparks könnte ihm helfen. Der kleine Schimpanse kann aber nicht zu ihr gehen, weil er im Gehege eingeschlossen ist. Die Chefin kümmert sich nicht um ihn, weil sie mit den Tigern so viel zu tun hat.

Nur der Papagei kann zur Chefin fliegen, um seinem Freund zu helfen. Er erzählt ihr von dem kleinen Schimpansen. Aber die Chefin ist beschäftigt und hört nicht richtig zu. Und der Papagei muss dem kleinen Schimpansen danach wieder eine schlechte Nachricht bringen. Der kleine Schimpanse mag nicht mehr fressen, weil er so traurig ist. Doch der Papagei bittet ihn: „Halt durch! Ich verspreche dir: Es wird besser. Ich kümmere mich um dich.“

Der kleine Schimpanse hat dem Papagei nicht gesagt, wie schlecht es ihm geht. Er mag nicht essen. An diesem Abend wird er plötzlich ohnmächtig. Am nächsten Morgen findet ihn ein Tierpfleger auf dem Boden. Er hebt den kleinen Schimpansen auf. Die Paviane sind still und schauen zu. Sie denken, der Schimpanse ist tot, weil er sich nicht mehr bewegt. Und sie schämen sich, weil sie den kleinen Schimpansen immer geärgert haben.

Jetzt kommt der Schimpanse auf die Krankenstation. Der Papagei hat alles beobachtet und fliegt zur Chefin. „Schnell, wir müssen da hingehen!“ Die Chefin fragt: „Wohin?“ Der Papagei ist ganz aufgeregt. Er wiederholt immer wieder: „Wir müssen gehen!“ Die Chefin folgt dem Papagei zur Krankenstation. Dort sieht die Chefin den kleinen Schimpansen auf dem Bett liegen. Auch der Papagei ist traurig. Die Chefin macht sich um beide Sorgen, und es tut ihr leid, dass sie nicht früher auf den Papagei gehört hat. Jetzt kommt der kleine Schimpanse endlich zu den anderen Schimpansen. Da ist er glücklich und frisst wieder mit gutem Appetit. Und der Papagei kommt immer noch jeden Tag vorbei, um ihn zu besuchen.

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Tattoos

Text von Jack T. (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)

Seit über 5300 Jahren. Wahrscheinlich sind sie noch älter. Der erste tätowierte Mensch war die Eismumie Ötzi. Er hatte 61 Tätowierungen, vor allem an den Gelenken. Wahrscheinlich waren sie medizinisch, als Markierungen für eine Akupunktur.

Früher waren Tattoos größtenteils religiös. Fromme Menschen ließen sich oft Kreuze in die Haut stechen. Bis heute zeigen sie meistens die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen: Gangs, Freunde/Partner, politische Einstellung, Religion, Knast-Tattoos. SS-Männer mussten sich ihre Blutgruppe auf den Oberarm tätowieren lassen. In Japan wurden Kriminelle zwangstätowiert, woraus sich der Yakuza-Stil entwickelte, bei dem der ganze Körper mit Bildern von Drachen und anderen Symbolen tätowiert wird. Einige Prostituierte lassen sich den Namen ihres Zuhälters tätowieren – nicht immer freiwillig. Und auch Gefangene im KZ oder Häftlinge im Gefängnis wurden früher gegen ihren Willen tätowiert. Heutzutage sind Tattoos eher Mode, und ungefähr jeder Vierte ist tätowiert.

Wie teuer sind Tattoos?
Je nach Motiv und Größe und in welchem Studio man sie sich stechen lässt – ein kleines Symbol kostet 50,- bis 150,- Euro.

Tut Tätowieren weh?
Das kommt ganz auf die Körperstelle an, das ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Dort, wo die Haut dicker ist, tut es auch weniger weh.

Wie kann man Tattoos wieder entfernen?
Tattoos bekommt man mit Laser entfernt – schwarze Farbe ist kein Problem, bei roten oder grünen Pigmenten ist es schwieriger und dauert länger. Früher wurden die tätowierten Hautstellen herausgeschnitten oder mit Säure verätzt, um die Tattoos loszuwerden.


Reisegeschichte Gran Canaria

Text von Sergio (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)

Dieses Jahr, im Sommer 2020, bin ich mit meiner Freundin, ihrer Mom und deren Freund nach Gran Canaria geflogen. Am Anfang war es sehr lustig, weil es hieß, dass wir doch nicht hinfliegen könnten, wegen der Corona-Pandemie. Doch dann, mitten im Sommer, habe ich eine Nachricht von meiner Freundin bekommen, dass wir doch fliegen können.

Als wir auf Gran Canaria angekommen waren, wollten wir im Hotel einchecken, doch dann hieß es, dass wir das Hotel wechseln müssten – wegen Corona. Als wir endlich im anderen Hotel Zimmer bekommen hatten, sind meine Freundin und ich am Strand schwimmen gegangen. Am Abend waren wir spazieren. Wir waren oft in der Stadt, am Strand und sind jeden Tag am späten Abend essen und spazieren gegangen.

Meine Freundin und ich wollten das Zimmer tauschen, weil wir oben im Hotel schlechtes WLAN hatten. Deshalb durften wir nach unten wechseln. Am nächsten Tag wollten wir morgens zum Frühstück gehen, doch dann hat der Freund von der Mom meiner Freundin eine fremde Person gesehen – auf unserem Balkon. Die Person hat in der Tasche meiner Freundin rumgewühlt, hat aber nichts mitgenommen, obwohl da ein iPhone 11 Pro und Air-Pods drin waren. Echt komisch. Wir haben dann eine Anzeige gemacht, doch der Täter wurde nie gefasst.

Am letzten Tag war es echt schön. Wir gingen alle zum Strand, und der Freund hat ihrer Mom einen Heiratsantrag gemacht.

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Feedback

Die Verfasser der Artikel freuen sich sehr über Feedback zu ihren Texten. Schreibt uns gerne Lob und Kritik an jugendinfo@bsfb.hamburg.de und wir leiten eure Rückmeldungen (anonymisiert) weiter.


DIE HAFTNOTIZEN

Kolumne mit kreativen Texten aus der JVA Hahnöfersand

Die Autoren sind allesamt Jugendliche und junge Erwachsene aus der Justizvollzugsanstalt Hahnöfersand. Sie nehmen an der dortigen Gruppe für kreatives Schreiben teil, mit der fachlichen Begleitung der Autorin und Schreibtrainerin Tania Kibermanis.

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