In dieser Ausgabe der Haftnotizen haben wir darüber nachgedacht, wie wir die Welt ein bisschen verbessern würden, wer für uns ein Held ist, wie wir uns das Leben nach dem Tod vorstellen und wie ein glückliches Leben eigentlich aussieht.
Hinweis: Der Klarname des Verfassers ist durch ein Pseudonym ersetzt.
Meinungsfreiheit
Wie immer ist uns Meinungsfreiheit sehr wichtig – deshalb äußert der jeweilige Verfasser seine ganz persönliche Meinung, die nicht unbedingt vom gesamten Team der Haftnotizen geteilt werden muss.
Schreibtrainerin: Tania Kibermanis
WOMIT WÜRDE ICH DIE WELT BESSER MACHEN?
Text von Double-G, Bojack und Ousman (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)
Ich würde mit meinen Freunden oder Bekannten eine Community gründen, in der es um die Umwelt geht, um die Umstände, unter denen wir leben oder leben werden. Der Großteil der Bevölkerung macht sich keine Gedanken um die Welt – was alles schiefläuft und dass die Erde unser Leben nicht mehr mitmacht. Sie kann sich nicht erholen, wir verlangen zu viel von ihr. Die meisten Menschen denken nur an das Leben hier und jetzt. Es interessiert sie nicht, was nach ihrem Tod oder auch nur in ein paar Jahren passiert. Aber man muss versuchen, jetzt mehrere Dinge zu verändern oder besser zu machen – das klappt auch, obwohl zu wenig gemacht wird. Die Dinge, die der Welt und der Menschheit schaden, gehen immer weiter. Deshalb würde ich die Nachkommen unserer Erde darüber informieren und sie, so gut es geht, aufklären, was man alles besser machen könnte. Und was noch alles passieren kann, wenn wir so weiterleben. Sie sind die nächste Generation, die vieles besser machen kann: dass gesundes Leben vieles ändert, dass Nachhaltigkeit besser ist, dass Krieg nichts bringt.
Was den Müll betrifft, wäre ich dafür, dass man Dinge länger verwendet. Ich würde die Plastikproduktion für immer stoppen und nur noch das verwenden und recyceln, was schon da ist. Ich würde in Flüssen und Meeren mobile Filteranlagen mit Schleusen installieren, wo das Wasser Meter für Meter mit einem großen Sieb vom Plastikmüll gereinigt wird. Jeder Mensch sollte ein CO2-Konto haben, wo er sehen kann, was er maximal pro Jahr verbrauchen darf. Und man sollte nur Obst und Gemüse der Saison essen – Erdbeeren im Winter braucht man nicht.
Für den Fleischkonsum gäbe es pro Person einen Fleischpass. Ich würde für jeden Ort oder Landkreis mehrere Bauernhöfe aussuchen, wo man sein Fleisch bekommt, damit die Leute nicht mehr massenweise Fleisch im Supermarkt kaufen und auch nicht mehr so viel Fleisch konsumieren. Jeder Mensch bekommt mit dem Fleischpass ein Maximum an Fleisch pro Monat, z.B. fünf Kilo. Das kann man sich dann auf dem Bauernhof abholen. Man kann sich schon Monate vorher „sein Viech“ auswählen, und die Kinder können sehen, was sie da essen. Damit lernt man, es viel mehr zu schätzen, dass Fleisch etwas Besonderes ist. Gerade, weil es etwas teurer wäre als bisher.
Mit meiner Community würde ich von Schule zu Schule gehen, um die Welt reisen, Reden halten und die Menschheit aufklären. Denn das Wichtigste und die Mächtigsten, die die Welt verändern können, ist die jüngste Generation!
Täglich werden auf der Welt Unmengen an Müll von uns produziert. Wenn man generationsübergreifend an die Ausmaße, die unser Konsum und die daraus folgenden Müllberge, nach-denkt, fürchtet man um den Erhalt der Welt. In vielen Ländern sind ganze Ge-biete mit Bergen von Abfall und Schrott vermüllt, in den Meeren schwimmt Müll, der den Kreislauf der Natur zerstört. Tiere fressen Mikroplastik und sterben daran. Oder sie ersticken an Plastikteilen. Das Mikroplastik gelangt über die Fische bis in unser Essen und landet damit in unserem Körper, dem des Endverbrauchers. Aber leider ist Vielen die Vermüllung unserer Welt egal.
Wenn jeder Mensch seine Art und Weise, wie er mit Müll umgeht, überdenkt, und dabei mehr auf den Erhalt der Welt achtet, kann er in seinem Alltag viel besser darauf achten, Müll zu trennen, zu recyceln und Sachen wiederzuverwenden – damit kann man die Verunstaltung der Welt minimieren. Jeder Einzelne sollte auf sein eigenes Wegwerfverhalten achten: Klamotten, Hausmüll, Elektroschrott. Man muss nicht immer das neueste Handy haben und sollte elektronische Geräte lieber reparieren lassen, anstatt sie sofort wegzuschmeißen, wenn sie kaputt sind. Klamotten kann man auch dem Second-Hand-Laden spenden. Mit Glasflaschen statt Plastik produziert man weniger Müll, oder man kann für Wasser auch einen Soda-Streamer benutzen.
Wenn jeder ein bisschen daran denkt und die angesprochenen Punkte umsetzt, wird die Welt für die Generationen, die nach uns kommen, lebenswerter.
WER IST FÜR UNS EIN HELD?
Ein Text von Shiqptar und St. Tropez (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)
Ein Held ist für uns eine Person, die jeden Tag versucht, die Welt ein bisschen besser zu machen, und nichts dafür verlangt – wie die Feuerwehr, Lehrer, Hebammen, Müllmänner und Ärzte. Für uns sind es Helden, weil sie helfen, Kinder zur Welt zu bringen, den Müll entsorgen oder Kindern etwas beibringen. Ohne diese Menschen würde unsere heutige Welt ganz anders aussehen: Kinder würden nix lernen, bedürftigen Personen würde nicht geholfen, die Straßen wären nicht befahrbar, weil überall Müll herumliegt. Das sind die Helden unserer Gesellschaft. Ein anderer Held ist für mich mein alter Klassenlehrer. Er hat alles gegeben, dass ich meinen Abschluss mache. Er hat mir in der Schule viel beigebracht, und er hat sich über die Erfolge seiner Schüler immer gefreut.
Wir sind sehr dankbar für die Menschen, die sich engagieren, und wir wollen draußen auch etwas für unsere Mitmenschen und die Umwelt tun. Wenn wir aus dem Gefängnis entlassen werden, wollen wir ehrenamtlich einmal pro Woche bei der Tafel helfen, mehr Fahrrad fahren und weniger Plastik verbrauchen, um einen grüneren Fußabdruck in der Welt zu hinterlassen.
GLAUBE ICH AN EIN LEBEN NACH DEM TOD?
Ein Text von Double-G (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)
Meine Meinung ist: Ich weiß es nicht. Es kann alles möglich sein. Ich glaube zwar an Gott, aber es gibt keinen Beweis für das, was nach dem Tod kommt. Ich lasse es auf mich zukommen und mache mir nicht so viele Gedanken darüber. Himmel oder Hölle kann ich mir nicht wirklich vorstellen – ich bin, so wie ich bin, ein vernünftiger Mensch, deshalb denke ich darüber nicht ständig nach. Viele Leute sind der Meinung, dass es ein „Leben danach“ gibt, dass sie entweder ins Paradies kommen oder in die Hölle. Ich finde, man muss im Leben nicht auf alles verzichten, nur um sich dem Glauben hinzugeben, und fünfmal am Tag zu beten, macht auch niemanden zu einem besseren Menschen, und man kommt auch nicht nur deswegen ins Paradies.
Solange man ein gutes Herz hat und keinem anderen Menschen was Schlechtes tut, reicht das auch. Man sollte sein Leben genießen, so wie man es will, und seine eigene Meinung zu allem haben. Keiner hat das Recht, dich deshalb zu verurteilen. Es sollte in der heutigen Zeit auch nicht der Rede wert sein, ob es denn nun ein Leben nach dem Tod gibt oder ob jemand gläubig ist.
Wenn ich mal in der Erde bin, dann kommt entweder gar nichts mehr, oder es gibt ein Leben nach dem Tod – ich weiß es nicht und lasse mich überraschen.
WAS IST FÜR UNS EIN GUTES LEBEN?
Ein Text von Shiqptar und St. Tropez (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)
Shiqptar und St. Tropez wollen zusammen in Chicago leben und dort einen Food-Truck betreiben. Im Angebot soll es Cheeseburger geben. Shiqptar will einen Mercedes der G-Klasse fahren und St. Tropez immer mitnehmen, um Frauen zu beeindrucken. Wenn wir genug Geld zusammen haben, wollen wir uns die Playboy-Mansion kaufen, und wenn Double-G zu Besuch kommt, wollen wir dicke Partys feiern. Das wäre Plan A.
Plan B: Oder wir leben bescheiden in Castelldefels bei Barcelona, betreiben eine kleine Fischerei und grillen jeden Abend mit unseren Familien und Freunden. Unser Haus soll groß genug für Gäste sein und einen coolen Pool haben. Wenn wir alt genug sind, wollen wir Kinder haben und im Winter immer zusammen nach Deutschland fliegen. Unsere Kinder sollen beste Freunde werden. Und wir werden richtig lässige Väter. Jedes unserer Kinder soll gesund und glücklich sein. Sie sollen ganz normal ihren Schulabschluss machen und niemals ins Gefängnis gehen.
Feedback
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DIE HAFTNOTIZEN
Kolumne mit kreativen Texten aus der JVA Hahnöfersand
Die Autoren sind allesamt Jugendliche und junge Erwachsene aus der Justizvollzugsanstalt Hahnöfersand. Sie nehmen an der dortigen Gruppe für kreatives Schreiben teil, mit der fachlichen Begleitung der Autorin und Schreibtrainerin Tania Kibermanis.









