Haftnotizen Ausgabe 23

In dieser Ausgabe der Haftnotizen haben wir uns natürlich mit dem Krieg in der Ukraine befasst, der uns alle sehr beschäftigt. Wir haben unsere Gedanken dazu geäußert, jeder ganz persönlich.

Besonders zurzeit kann eine andere Meinung geradezu unerträglich sein. Aber da die Kraft, genau das auszuhalten, und das Recht, sich frei äußern zu dürfen, die höchsten Werte einer Demokratie sind, dürfen natürlich auch die Autoren der Haftnotizen ihre Meinung sagen – auch wenn sie nicht unbedingt vom gesamten Team geteilt wird.

Der erste Text ist etwa zwei Wochen vor Putins Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 entstanden, als es sich um einen Konflikt, jedoch noch nicht um einen Krieg handelte. Die vier weiteren Artikel beziehen sich auf den anhaltenden Angriffskrieg.

 

Hinweis: Der Klarname des Verfassers ist durch ein Pseudonym ersetzt.

Meinungsfreiheit

Wie immer ist uns Meinungsfreiheit sehr wichtig – deshalb äußert der jeweilige Verfasser seine ganz persönliche Meinung, die nicht unbedingt vom gesamten Team der Haftnotizen geteilt werden muss.

Schreibtrainerin: Tania Kibermanis

DIE ROLLE DEUTSCHLANDS IM UKRAINE-KONFLIKT

Ein Text von Arnold der Hardtrollt (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)

Meiner Meinung nach sollte Deutschland im Ukraine-Konflikt stärker und konsequenter in Bezug auf Russlands Politik auftreten. Es sollten klarere Grenzen für Russland und dessen offensive Provokationen gegenüber der Ukraine, den NATO-Staaten und der EU gezogen werden. Im Falle weiterer Provokationen oder gar eines Einmarschs in die Ukraine sollten in erster Linie klare Äußerungen und Drohungen mit Sanktionen offen in Richtung Russland ausgesprochen und klargemacht werden, welche Konsequenzen dies nach sich ziehen würde: zum Beispiel den Ausbau der Gas-Pipeline „NordStream 2“ zu stoppen und Russland damit zu sanktionieren. Ich bin der Meinung, dass man Russland mit Strafzöllen oder dem Ausschluss von Sport-Großveranstaltungen wie der Fußball-WM drohen sollte, wenn Putin sich nicht einsichtiger und kooperativer zeigt. Auf jeden Fall sollte russisches Gas boykottiert werden.

Im Allgemeinen muss Deutschland geschlossener und härter gegen die Machtzurschaustellung und -ausbreitung Russlands vorgehen. Putin lässt mutmaßlich sogar in Deutschland Regimegegner ermorden, und Deutschland schaut meiner Meinung nach seelenruhig zu und lässt ihn gewähren – ja, sie belohnen ihn sogar dafür und bauen die direkte Abhängigkeit von Russland noch aus und erweitern diese.

Ich glaube allerdings nicht, dass Russland in die Ukraine einmarschiert – ich denke vielmehr, Putin will einfach eine neue Verhandlungsbasis zugunsten Russlands erzwingen und tut dies auf dem Weg des altbewährten „Schw***vergleichs“. Damit will er seinen Verhandlungspartnern imponieren und Angst machen, um seinen Willen so besser durchzubekommen.

Doch wenn Russland sich wieder offener gegenüber der EU und dem Westen zeigt und nach einem friedlichen, für alle Beteiligten lukrativen Weg für die Zukunft Europas sucht, dann sollte „NordStream 2“ auch in Betrieb gehen können. Hand in Hand.

Ich kann nachvollziehen – vor allem nach den jüngsten Ereignissen wie dem gescheiterten Afghanistan-Einsatz – dass sich Deutschland in Sachen militärischer Unterstützung jeglicher Art lieber bedeckt hält, doch ganz ehrlich: Dann hätten die 5000 Helme und das Feldlazarett für die Ukraine auch gerne daheimbleiben können. Entweder volle Unterstützung oder unparteiisch bleiben – keine halben Sachen, Herr Bundeskanzler!

 

 


PUTINS ABSICHT, DIE GRENZEN RUSSLANDS AUSZUDEHNEN

Ein Text von Bojack und Ousman (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)

Die aktuelle Lage zwischen Russland und der Ukraine ist das Thema, welches uns seit Tagen beschäftigt. Egal, in welchen Medien man aktuell schaut, ist der Ukraine-Krieg präsent. Der Terror und der Massenmord gegen das Land und gegen die ukrainische Bevölkerung sowie die russische Propaganda erinnern stark an vergangene Zeiten. Der überraschende Angriff Putins auf die Ukraine hat den Frieden in Europa zerstört. Die Kriegshandlungen und Kriegsverbrechen Putins sind durch nichts zu rechtfertigen. Aus moralischer Sicht ist der Angriffskrieg gegen die Ukraine menschenverachtend und inakzeptabel. Putin will sein Land durch diesen Krieg geografisch ausdehnen und sich am eroberten Land und an dessen Rohstoffen und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit bereichern.

Die geografische Ausdehnung Russlands, die Putin anstrebt, ist unvorhersehbar. So ist es durchaus möglich, dass Putin bei Erfolg seines Kriegstreibens seine Bestrebungen auf weitere Länder ausdehnt. Was dies für Folgen hätte, möchte ich mir gar nicht vorstellen, da die jetzige Situation schon schrecklich genug ist. Die Folgen für die Ukraine und ihre Bevölkerung sind schwerwiegend. Die ukrainischen Familien werden auseinandergerissen, durch Flucht aus ihrer Heimat vertrieben, ihr Besitz wird zerstört, sie verlieren Familienmitglieder und Freunde – und ihre Freiheit. Was den Ukrainern gerade widerfährt, kann jemand, der das nicht selbst erlebt hat, gar nicht nachempfinden – er kann höchstens versuchen mitzufühlen.

Inzwischen wurde ein Solidaritätsbündnis geschlossen und setzt überall Zeichen gegen den Krieg: Im Fußball, in der Musik, in Live-Shows – einfach überall auf der Welt. Das alles ist zwar sehr human, setzt aber dem Krieg leider kein Ende. Es ist bewundernswert, wie lange die Ukrainer gegen ihren eigentlich überlegenen Gegner Russland standhalten, und vielleicht können sie diesen kriegslüsternen Tyrannen Putin tatsächlich aufhalten. Wir hoffen, dass dieser schreckliche Krieg bald ein Ende hat und wieder Frieden in Europa einkehrt – auch wenn das unwahrscheinlich erscheint.

Putin, die Wurzel dieses Terrors, muss gestoppt und für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden. Denn nur so werden die moralischen Werte der Welt gewahrt und klare Grenzen gegen den Terror aufgezeigt.


PUTIN UND DIE NATO

Ein Text von Shiqptar und St. Tropez (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)

Putin fühlte sich von der NATO bedroht, denn angeblich gab es eine Abmachung zwischen Russland und der NATO, dass sich die NATO nicht weiter nach Osteuropa ausbreiten und nicht alle Staaten des ehemaligen Ostblocks Mitglieder werden sollen.

Die Ukraine würde gerne zur NATO gehören, was Russland nicht begutherzigt, da es sich vom Westen „bedrängt“ fühlt. Putin möchte dagegenhalten und seine „Stärke“ zu Schau stellen. Die EU beschließt Sanktionen gegen Russland, und Deutschland bezieht von dort trotzdem noch Öl und Gas. Und beliefert die Ukraine mit Waffen und Kriegswerkzeugen. Unserer Meinung nach hat die NATO den europäischen Frieden gefährdet. Jetzt ist Krieg, Leute leiden und verlieren ihre Familien. Im Krieg gibt es nur Verlierer.

Die Ukraine sollte unserer Meinung nach nicht der NATO beitreten und mit Russland einen Friedensvertrag aushandeln. In Russland wäre eine Frau an der Macht besser, um keine Machtspielchen mehr zu spielen.


ZWIESPALT

Ein Text von 721 (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)

Ich bin der Meinung, dass in modernen Zeiten wie diesen so gut wie alles ohne Kriegsgewalt gelöst werden kann. Wir sind ja nicht etwa in der Steinzeit, wo es noch keine Debattenkultur gab. Ich weiß allerdings noch nicht, inwiefern die Geld- und Waffenspenden an die Ukraine helfen sollen. Natürlich verstehe ich einerseits, dass sich die EU nicht direkt in den Krieg einbringen und damit auch nicht zur Zielscheibe werden will – dennoch wäre eine aktive, direkt Hilfe im Sinne von Truppen entweder die schnellste Lösung zur Beendigung des Krieges oder eben der Eintritt in einen dritten Weltkrieg. Ich finde es einfach schade, dass Zivilisten ihrer Heimat, ihrer Familie und ihrer Leben beraubt werden.

Putin ist eigentlich ein Mann mit Erfahrung, aber dennoch ein sehr temperamentvoller Präsident. Ich bin aber der Meinung, dass es bei so einem Herrscher nicht anders zu erwarten war, was jetzt gerade passiert.


DER KRIEGSVERBRECHER PUTIN

Ein Text von Double-G (Schreibgruppe der JVA Hahnöfersand)

Meiner Meinung nach ist Putins Handeln größenwahnsinnig und ein Versagen der internationalen Politik, denn der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland existiert ja schon seit längerem. Man hätte viele Sachen schon vorher klären können, aber die Ukraine anzugreifen, ist einfach nicht menschlich. In der heutigen Zeit weiß man, dass die Zivilbevölkerung am meisten darunter leidet – Familien und kleine Kinder, unschuldige Menschen. Nicht Russland führt den Krieg, sondern Putin allein, er verarscht seine eigene Bevölkerung, macht Propaganda und erzählt Lügen. Er will die Ukraine für sich erobern, weil er denkt, sie muss zu Russland gehören, und er hätte ein Recht dazu. Putin will die alte Sowjetunion wieder zurückhaben und behauptet, die Ukraine sei eine Marionette des Westens, die aber ihr Existenzrecht allein Russland zu verdanken habe. Dass sich die Ukraine von ihm und von Russland abgewendet hat, sieht Putin als Hochverrat, und damit begründet er seine Kriegstaten.

Dadurch, dass die Staaten, die an Russland grenzen, mit dem Westen mehr sympathisieren und zum größten Teil der NATO beigetreten sind, fühlt sich Putin in seinem Hoheitsgebiet und seiner Souveränität bedroht.

Wie kann man diesen Konflikt klären? Die einzige Lösung ist meiner Meinung nach, dass sich der engste Kreis im Kreml gegen Putin stellt, putscht oder ihn anderweitig in Zaum hält. Und ihm klar macht, dass er diesen Krieg alleine führt, dass sie da nicht mehr mitmachen, da Putins Handlungen Auswirkungen auf alle haben – auf die Oligarchen genauso wie auf die Regierung und die Bevölkerung. Putin ist ein Kriegsverbrecher, und keiner hat Bock, weiter unter ihm zu leiden. Er sollte kein Geld mehr bekommen und auch keine Einreise in die EU-Staaten. Mit Putin haben alle nur Nachteile.

 


Feedback

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DIE HAFTNOTIZEN

Kolumne mit kreativen Texten aus der JVA Hahnöfersand

Die Autoren sind allesamt Jugendliche und junge Erwachsene aus der Justizvollzugsanstalt Hahnöfersand. Sie nehmen an der dortigen Gruppe für kreatives Schreiben teil, mit der fachlichen Begleitung der Autorin und Schreibtrainerin Tania Kibermanis.

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